Kommunalwahl in NRW

Junge grüne Welle: Wer unter 25 ist, stimmt häufig für die Grünen

News Bilder des Tages Wahlparty Bündnis 90 / die Grünen Frankenwerft Köln 13.09.2020 Jubel der Grünen mit den Spitzenkan
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14. September 2020 - 15:22 Uhr

von Philip Scupin

Es ist ein Ergebnis, das den alten Volksparteien CDU und SPD Angst machen muss: Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen haben wieder die meisten jungen Wähler nicht für sie gestimmt - sondern für die Grünen. 33 Prozent der 16- bis 24-Jährigen wählten grün, nur 22 Prozent CDU, sogar nur 16 Prozent SPD. Und es ist nicht zum ersten Mal passiert: Bei der Europawahl im vergangenen Jahr stimmten Wähler unter 30 sogar häufiger für die Grünen als für Schwarz und Rot zusammen. Braut sich da ein Trend zusammen? Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter sagt am Montagmorgen im RTL/ntv "Frühstart" schon mal: "Unser Ziel ist es seit längerem, führende Kraft der linken Mitte zu werden."

Klima war den Wählern wichtig

CDU und SPD haben bei der aktuellen NRW-Wahl insgesamt Stimmen verloren – so richtig brechen sie aber vor allem bei den Jungwählern ein. Die Grünen wiederum verdoppeln gerade hier ihr Ergebnis. Eine Folge der Klimakrise, die erst durch "Fridays for Future" bei vielen richtig ins Bewusstsein gekommen ist?

Eine Umfrage zeigt, dass die meisten Wähler Umwelt und Klima für das wahlentscheidende Thema hielten. Die Themen Wirtschaft und Schule landeten nur auf Platz 2 und 3 – trotz Coronakrise. Zuletzt hatte man von jungen SPDlern noch gehört, die Grünen würden ihren Vorsprung beim Klimathema gerade verspielen. Das Ergebnis spricht eine andere Sprache.

Haben die Grünen die richtigen Themen?

 13.09.2020. Dortmund, Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen. In der Westfalenmetropole steht ein Wechsel des Oberbürgermeisters an. Der aktuelle OB Ullrich Sierau SPD trat nicht mehr an. Für die SPD stellte sich Thomas Westphal den Wählern, für die CD
CDU und SPD haben bei der aktuellen NRW-Wahl insgesamt Stimmen verloren – so richtig brechen sie aber vor allem bei den Jungwählern ein. Die Grünen wiederum verdoppeln gerade hier ihr Ergebnis.
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Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Anna Peters, hält die richtige Themensetzung für entscheidend. Junge Menschen engagierten sich zuletzt häufig bei Klimaprotesten, Anti-Rechts-Protesten und für Seenotrettung, so Peters zu RTL. Dies seien eben alles Themen, bei denen die Grünen für einen radikalen Politikwechsel stünden. "Junge Menschen denken meiner Wahrnehmung nach weniger in den alten Schemen wie 'Volkspartei', sondern kämpfen für eine Politik, die sie ernst nimmt."

Weg zur Volkspartei ist noch weit

Aber machen junge Wähler die Grünen über die Jahre durch ihr Wahlverhalten nicht automatisch zur neuen Volkspartei? Da gibt es tatsächlich einige Fragezeichen. Das Ergebnis aus NRW lässt sich zumindest nicht eins zu eins auf ganz Deutschland übertragen, denn das Bundesland hat viele große Städte – hier schneiden die Grünen schon immer im Schnitt besser ab als auf dem Land.

In NRW durfte man schon ab 16 Jahren wählen, bei der Bundestagswahl erst ab 18 – ein Nachteil für die Grünen. Und: Bislang ist die Wahlbeteiligung junger Menschen häufig niedriger als bei anderen Wählergruppen – die Grünen müssen versuchen, noch mehr Jungwähler zu mobilisieren. Das wichtigste Hindernis auf dem Weg zur Volkspartei aber bleibt: Im Schnitt werden die Wähler in Deutschland immer älter. Und je älter, desto weniger oft wird grün gewählt.

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