Bislang Voraussetzung dafür: Ein Jahr ohne Sex

Grüne fordern: Schwule sollen Blut spenden dürfen

Blutspende
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© dpa, Christian Charisius, chc fpt chc wst

10. März 2020 - 13:09 Uhr

Von Nadine Schullerus

Homosexuelle Männer und transgeschlechtliche Menschen dürfen nur dann Blut spenden, wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten. Die Bundestagfraktion der Grünen findet das diskriminierend und fordert, die Regelung abzuschaffen. Der Antrag liegt RTL und ntv exklusiv vor.

Ein Jahr kein Sex - dann dürfen auch Homosexuelle Blut spenden

"Spende Blut, rette Leben", so wirbt das Deutsche Rote Kreuz für mehr Blutspenden in Deutschland. Werbung ist dringend nötig. Etwa 14.000 Blutspenden werden laut Deutschem Roten Kreuz deutschlandweit jeden Tag gebraucht, aber die Zahl der Spender ist knapp.

Jedes Jahr fallen demnach 100.000 aktive Spender wegen Alter oder Krankheit aus. Vor allem seltene Blutgruppen fehlen. Und trotzdem sind Homo-und bisexuelle Männer sowie transgeschlechtliche Menschen vom Blutspenden so gut wie ausgeschlossen. Sie gelten als so genannte Risikogruppe und dürfen nur dann Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang überhaupt keinen Sex hatten.

Die Fraktion der Grünen im Bundestag lehnt das ab und fordert jetzt die "Diskriminierung von Homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen bei der Blutspende" zu beenden. Der entsprechende Antrag wird am Dienstagnachmittag in der Fraktionssitzung beschlossen und liegt RTL und n-tv exklusiv vor.

Wie läuft eine Blutspende ab? Alle Infos dazu im Video.

Vor 2017 waren Blutspenden von Homosexuellen komplett verboten

"Die aktuelle Praxis bei der Blutspende diskriminiert homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen", sagt Sven Lehmann, queer-politischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. "Ob der Spender in einer monogamen Beziehung lebt oder nur Safer-Sex praktiziert spielt dabei keine Rolle. Das ist eine grobe Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern und sachlich nicht zu begründen."

Im Jahr 2017 hat die Ärztekammer die Richtlinie zur Blutspende neu formuliert. Vorher waren homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen komplett ausgeschlossen, ebenso wie Prostituierte. Sie gelten als Personen mit sogenanntem sexuellen Risikoverhalten, damit hätten sie ein höheres Risiko für HIV- oder Hepatitis-Infektionen. So die Begründung. 

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Grüne: Sicherheit für Empfänger muss oberste Priorität haben

Im Antrag der Grünen heißt es, die Sicherheit für alle Empfänger von Blutspenden müsse oberste Priorität haben. "Das wird erreicht, indem tatsächliche Risiken nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rational abgewogen werden anstatt ganze Gruppen pauschal auszuschließen."

Dabei geht es der Partei auch darum, nicht ganze Personengruppen pauschal auszuschließen. Erst recht nicht in Zeiten, wo immer mehr Blutspender gebraucht werden.  "Die ganze Widersprüchlichkeit zeigt sich darin, dass die Organspende von schwulen und bisexuellen Männern anscheinend im Vergleich zur Blutspende kein Problem darstellt."

Pro Jahr werden in Deutschland etwa fünf Millionen Blutkonserven eingesetzt. Jede einzelne wird vor dem Einsetzen auf HIV, Hepatitis und Syphilis überprüft. 99,9 Prozent aller Konserven gelten als sicher.

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