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Gründung der JAfD in Wiesbaden: AfD möchte ihre "wertkonservativen" Ideen in jüdische Gesellschaft bringen

AfD gründet Vereinigung für Menschen mit jüdischem Glauben
AfD gründet Vereinigung für Menschen mit jüdischem Glauben Im Vorfeld wurde Kritik gegen die Pläne laut 00:22

Juden in der AfD gründen die JAfD

Die AfD hat am Sonntag in Wiesbaden die Vereinigung für Juden namens JAfD (kurz für Juden in der AfD) gegründet. Bei der darauffolgenden Pressekonferenz äußerte sich unter anderem der zweite Vorsitzende Wolfgang Fuhl zum Vorwurf, jüdische Werte stimmten nicht mit den Werten der AfD überein.

Von Laura Waßermann 

Pressekonferenz der JAfD in Wiesbaden

07.10.2018, Hessen, Wiesbaden: Beisitzer Leon Hakobian zeigt im Bürgerhaus im Stadtteil Erbenheim auf seinem Handy den vorläufigen Entwurf eines Logos der jüdischen Bundesvereinigung innerhalb der AfD, die wenig später gegründet werden sollte. Foto:
So oder so ähnlich soll das Logo der neuen Vereinigung JAfD in Zukunft aussehen. © dpa, Frank Rumpenhorst, fru cul

Mindestens ein Dutzend Polizeiwagen standen auf dem Parkplatz des Bürgerhauses in Wiesbaden-Erbenheim. Dort hat die Gründungsversammlung der JAfD stattgefunden. An mehreren Tischreihen, gestellt im Quadrat, haben die jüdischen Parteimitglieder die Satzung in einem "friedlichen Miteinander" beschlossen, wie die erste Vereinsvorsitzende Vera Kosova während der Pressekonferenz erzählte. An der Wand hingen zwei Fahnen, eine von der AfD, die zweite von der Bundesrepublik Deutschland. Helles Blau neben Schwarz-Rot-Gold. 

Elf Personen saßen auf dem Podium, darunter Joachim Kuhs, AfD-Mitglied im Bundestag, Robert Lambrou vom Landesverband Hessen und Wolfgang Fuhl. Fuhl ist zweiter JAfD-Vorsitzender und hatte oft das Wort, wenn die rund 50 anwesenden Journalisten eine Frage stellten. Auch erntete er oft Applaus - von den rund anwesenden 30 JAfD-Mitgliedern. "Die AfD ist die konservative Partei in Deutschland. Viele Juden sind wertkonservative Menschen", antwortete Fuhl auf die Frage, ob jüdische Werte und die der AfD zusammen passten. 

Kritik an der Vereinigung war im Vorfeld groß

07.10.2018, Hessen, Wiesbaden: Zwei Teilnehmer der Gründungsveranstaltung der jüdischen Bundesvereinigung innerhalb der AfD sitzen im Bürgerhaus im Stadtteil Erbenheim zu Beginn einer Pressekonferenz auf dem Podium. Die Vereinigung sollte wenig späte
Rund 30 Mitglieder waren während der Gründung der JAfD anwesend. © dpa, Frank Rumpenhorst, fru cul

Im Vorfeld an die Veranstaltung hatte die Gründung der JAfD hohe Wellen geschlagen. Der Zentralrat der Juden beispielsweise hatte sich mit direkten Worten von der AfD distanziert, sie als rassistisch und antisemitisch bezeichnet. "In den vergangenen Tagen kam so viel Hass und Hetze auf uns herab. Das ging bis hin zum Tiervergleich. Man hat uns als Stinktiere bezeichnet", sagte Fuhl auf dem Podium. Damit spielt der 58-Jährige unter anderem auf das RTL.de-Interview mit Alfred Jacoby, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Offenbach, an. Im persönlichen Gespräch mit uns, das etwas zögerlich im Anschluss an die Pressekonferenz stattgefunden hat, fügte Fuhler hinzu: "Das ist unredlich und unverständlich, denn wir sind für jeden Dialog offen." 

AfD will sich mit der JAfD Israel annähern

Zurück auf dem Podium, machte er Angela Merkel verantwortlich für die breite Kritik an der JAfD. Sie habe das Judentum gespalten, Deutschland sei ein unsicheres Land unter ihrer Politik. Stichwort: Flüchtlinge. Das färbe sich eben auch auf die jüdischen Gemeinden ab.

Er und Vera Kosova wollen das mit der JAfD ändern, so der Tenor. Die jüdischen Gemeinden stärken, deren Input in die AfD-Politik tragen und, andersherum, AfD-Positionen in die jüdische Gesellschaft kanalisieren. Außerdem wolle man sich als Partei dem Land Israel annähern. Dabei könne jeder mitwirken, der AfD-Mitglied ist und sich religiös oder ethnisch dem Judentum zuordnet. Die tatsächliche Religionszugehörigkeit werde aber nicht überprüft - diese Formalien scheinen am Gründungstag noch etwas schwammig.

Haltung der JAfD zum Thema Islam ist klar

07.10.2018, Hessen, Wiesbaden: Die frisch gewählte Vorsitzede Vera Kosova sitzt bei der Gründungsveranstaltung der jüdischen Bundesvereinigung innerhalb der AfD im Bürgerhaus im Stadtteil Erbenheim auf dem Podium. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-
Vera Kosova kam vor 20 Jahren als Flüchtling aus der Sowjetunion nach Deutschland. © dpa, Frank Rumpenhorst

Durchdacht hingegen wirkt die Meinung mancher JAfD-Mitglieder zum Thema Islam. Eine Gemeinsamkeit zwischen konservativen Juden und der AfD, so hieß in den Medien. Hermann Krauskopf, ebenfalls Teil der Podiumsdiskussion, sagte, der Islam sei zwar nicht der Feind der Juden. "Die Muslime aller Welt hatten aber 900 Jahre Zeit, Frieden mit uns zu schließen. Das haben sie nicht gemacht und genug ist genug."

Die AfD steht immer wieder im Verdacht, rechtspopulistische Politik zu betreiben und rassistische sowie islamfeindliche Ideologien zu schüren - unter anderem wegen Aussagen von Alexander Gauland oder Beatrix von Storch, die am Sonntag ebenfalls offizielle Redner waren. "Wir distanzieren uns in der Partei und in der JAfD von jeglicher Art von Rassismus", sagte Vera Kosova. Ihr sei es sehr wichtig, dass die Juden in Deutschland gehört würden. Die 32-Jährige ist als Flüchtling aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Das ist nun 20 Jahre her, das war 1998. An diesem Sonntag, 20 Jahre später, ist Kosova eine von zwei Frauen auf dem Podium - und Chefin einer jüdisch-konservativen Vereinigung in Deutschland.

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