Polizei stürmt zwölf Wohnungen in Deutschland

Großrazzia gegen "Aryan Circle Germany": "Tief in der rechtsextremen Szene verankert"

Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten
Beamte des Landeskriminalamtes haben Wohnungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen gestürmt und durchsucht.
mks fdt, dpa, Markus Scholz

Wohnungen von zwölf Beschuldigten wurden durchsucht

Um 6 Uhr morgens haben Beamte des Landeskriminalamtes Wohnungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen gestürmt und durchsucht. Es besteht der dringende Verdacht, dass sich die Verdächtigen mit weiteren Personen im Juli 2019 in Bad Segeberg zur rechtsextremen Gruppierung "Aryan Circle Germany" zusammenschlossen. Sämtliche Beschuldigten sind dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt wegen Verdachts auf Gründung einer kriminellen Vereinigung, wie Sprecherin Stephanie Gropp im RTL-Interview bestätigte. "Wir wollen Rechtsextremen mit allen rechtsstaatlichen Mittlen permanent auf den Füßen stehen", sagte Hans-Joachim Grote, Innenminister von Schleswig-Holstein.

Rechtsextreme Gruppe "Aryan Circle Germany" wollte gezielt Ausländer verletzen

"Nach unseren Erkenntnissen handelt es sich um eine rechtsextreme Gruppierung, die seit Sommer 2019 aktiv ist", so Gropp. "Wir gehen auch davon aus, dass sie in Schleswig-Holstein gegründet worden ist." Die zwölf Beschuldigten seien zwischen 19 und 59 Jahre alt und teilweise bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Die Gruppierung "Aryan Circle Germany" hat sich Ermittlungen zufolge zusammengeschlossen, um rassistische Straftaten zu begehen. "Es geht dabei konkret um Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigung, auch Verstöße gegen das Waffengesetz", so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es gebe aber bisher keine Erkenntnisse darüber, dass die Gruppe einen konkreten Anschlag plante.

Bei der Razzia stellten die Ermittler vor allem Speichermedien und Unterlagen sicher, die nun ausgewertet werden sollen. "Vereinzelt haben wir auch Gegenstände gefunden, die unter das Waffengesetz fallen", größere Waffenbestände habe man nicht gefunden, erklärte Gropp. Außerdem stellten die Ermittler Betäubungsmittel sicher - unter anderem Amphetamin.

Stephanie Gropp, Staatsanwaltschaft Flensburg
Stephanie Gropp von der Staatsanwaltschaft Flensburg erklärt, was über die rechtsextreme Gruppe bekannt ist.
RTL

Die Beschuldigten sind zum Teil "tief in der rechtsextremen Szene verankert"

Bisher wurde keiner der zwölf Verdächtigen festgenommen. Bei einem der Beschuldigten soll es sich um Bernd T. handeln. Der als extrem gewalttätig bekannte Mann galt jahrelang als Kopf und wichtige Figur der rechtsextremen Szene in Kassel. Er gründete unter anderem 2015 den vom hessischen Innenministerium verbotenen rechtsextremistischen Kasseler Verein "Sturm 18".

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass einer der Beschuldigten für die Gründung von "Sturm 18" verantwortlich gewesen sei. "Dieser Verein wurde 2015 durch das hessische Innenministerium verboten", so Gropp.

Die Ermittler hätten zuerst intensiv im Netz recherchiert, um den Verdächtigen auf die Spur zu kommen. Die Gruppe sei "sehr präsent im Internet", so die Staatsanwaltschaft. Man habe sich außerdem Straftaten im Umfeld der Verdächtigen genauer angeschaut und verdeckt gegen die Gruppe ermittelt, bevor die Razzia durchgeführt wurde.