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Großer Valsartan-Rückruf: Blutdruck-Pillen mit krebserregender Substanz verunreinigt

Fast eine Million Menschen von Valsartan-Rückruf betroffen
Fast eine Million Menschen von Valsartan-Rückruf betroffen Blutdrucksenker mit krebserregender Substanz verunreinigt 01:47

Das sollten Hypertonie-Patienten jetzt beachten

Zwischen 20 und 30 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Bluthochdruck, viele schlucken täglich Pillen gegen das Herz-Kreislauf-Problem. Jetzt der Schock: Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Valsartan sollen verunreinigt sein – mit einer potenziell krebserregenden Substanz. Wie der Branchendienst "Apotheke Ahoc" berichtet, könnte die verunreinigte Ware bereits seit sechs Jahren auf dem Markt sein. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt, dass Patienten auf ein nicht vom Rückruf betroffenes Medikament umgestellt werden. Wir zeigen Ihnen, welche Präparate betroffen sind und was Bluthochdruckpatienten jetzt wissen sollten.

"Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht"

Die Behörden wollen die betroffenen valsartanhaltigen Medikamente jetzt teilweise zurückziehen. Konkret geht es laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um bestimmte Chargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt wurde. Noch ist nicht bekannt, um welche Chargen es sich bei dem EU-weiten Rückruf konkret handelt. Klar ist jedoch, welche Medikamente betroffen sind. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat eine Liste veröffentlicht (siehe unten).

Aber Achtung: Das BfArM warnt Patienten davor, die Mittel spontan und ohne Rücksprache mit dem Hausarzt abzusetzen. Das gesundheitliche Risiko eines Absetzens sei um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung. "Bislang liegen noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchen Konzentrationen die Verunreinigung in den hieraus hergestellten Arzneimitteln enthalten ist", sagte BfArM-Sprecher Maik Pommer. Valsartan sei relativ weit verbreitet. Aber: "Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht."

Diese Arzneimittel sind vom Valsartan-Rückruf betroffen

Laut BfArM ist der blutdrucksenkende Wirkstoff produktionsbedingt mit N-Nitrosodimethylamin verunreinigt. Die Substanz könnte laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend sein. Europaweit werde nun untersucht, ob möglicherweise auch andere Arzneimittel betroffen sein könnten, die chemisch verwandte Wirkstoffe enthalten.

Diese Medikamente stehen auf der Rückrufliste der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Stand 11. Juli 2018):

Valsartan - 1A Pharma und 1A Pharma plus
Valsartan AAA
Valsargamma
Valsartan AbZ Filmtabletten
Valsartan - Actavis
Valsartan AL und Valsartan/HCT AL
Valsartan comp Basics
Valsartan Dexcel
Valsartan Hennig und Valsartan Hennig plus HCT
Valsartan Heumann
Valsartan Hexal und Valsartan Hexal comp
Valsartan-Hormosan comp
Valsartan Puren
Valsartan ratiopharm und Valsartan ratiopharm comp
Valsartan Stada und Valsartan HCT/Stada
Valsartan Zentiva


Halten Sie auf jeden Fall Rücksprache mit Ihrem Hausarzt und dem Apotheker, bevor Sie das Medikament ersetzen. Es muss vorher in jedem Fall ein neues Rezept ausgestellt werden. Wie genau die zusätzlichen anfallenden Kosten für das Ersatz-Medikament mit der Krankenkasse abgerechnet werden, ist noch nicht geklärt. Für gesetzlich Versicherte Kassenpatienten fällt mindestens eine Rezeptgebühr an, teilweise ist für die Ersatzpräparate aber auch eine Zuzahlung von 70 Euro und mehr fällig. 

Da aber bereits eine große bundesweite Krankenkasse angekündigt hat, dass sie ihren Versicherten die Zuzahlung erstattet, empfiehlt sich laut Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker eine Rücksprache mit der Krankenkasse.

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