Kaum Ersparnis für Kunden

Viele Onlineshops stecken sich die Mehrwersteuersenkung in die eigene Tasche

13. Juli 2020 - 14:09 Uhr

Onlinehandel gibt nur geringen Preisnachlass

Mit der Mehrwertsteuersenkung von Anfang Juli bis Ende des Jahres will die Bundesregierung die  – aufgrund der Corona-Pandemie – nachgelassene Kaufkraft ankurbeln. Die Bürger sollen wieder stärker konsumieren. Während viele Einzelhändler ihre Preise bereits reduziert haben und der Kunde an der Kasse spart, sieht es beim Onlinegeschäft eher mau aus. Das zeigt jetzt eine Untersuchung des Preisvergleichsportals Idealo für die Zeitung WELT AM SONNTAG. Was Rechtsanwälte dazu sagen, sehen Sie im Video. 

Preissenkung liegt durchschnittlich bei 0,77 Prozent

Vor allem der Onlinehandel hat in der Coronakrise Rückenwind bekommen. Dinge des täglichen Bedarfs wurden besonders häufig im Internet bestellt, wie Daten des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) zeigen. Doch ausgerechnet die Onlinehändler sollen die kürzlich von der Bundesregierung eingeführte Mehrwertsteuersenkung kaum an ihre Kunden weitergeben. Die 100 umsatzstärksten Onlineanbieter haben ihre Preise im Juli durchschnittlich nur um 0,77 Prozent gesenkt, zeigt die neue Untersuchung von Idealo.

Offiziell wurde die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt. Da sie jedoch auf den Nettopreis berechnet wird, spart der Kunde nur rund 2,52 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz wurde von sieben auf fünf Prozent reduziert. Der Preisnachlass beträgt hier dann 1,87 Prozent. Der Studie zufolge haben zwar 78 der 100 umsatzstärksten Onlineläden ihre Preise im Juli im Vergleich zum Vormonat gesenkt, aber nur acht von ihnen um mehr als zwei Prozent.

Wo die Steuersenkung tatsächlich weitergeben wird und wer nicht mitmacht, können Sie hier sehen.

Analyse: Mehr als 20 Händler sind teurer geworden

22 Händler sollen bei ihren Produkten sogar etwas auf den Preis draufschlagen haben. Zumindest bei einzelnen Produkten haben aber auch sie einen Preisnachlass gegeben. Die größten Ersparnisse soll es im Bereich Baby und Kind sowie Sport und Outdoor geben, die geringsten beim Tierbedarf. Da sich die Ergebnisse auf die 100 umsatzstärksten Onlineshops beziehen, lohnt sich beim nächsten Einkauf sicher ein Preisvergleich.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte das Hilfspaket als "Wumms" für die deutsche Wirtschaft beschrieben. Durch die Mehrwertsteuersenkung verzichtet der Staat bis Jahresende auf rund 20 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Ob die reduzierte Mehrwertsteuer am Ende tatsächlich zu mehr Konsum führt, werden wohl erst die kommenden Monate zeigen.