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Großbritannien: Zeitung hackt sich in Handys von Toten

Großbritannien: Zeitung hackt sich in Handys von Toten

Abhörskandal in Großbritannien

Der Abhörskandal um die zum Murdoch-Konzern gehörende britische Boulevardzeitung 'News of the World' wird immer größer. Nach Angaben der Londoner Polizei stehen inzwischen 4.000 Namen auf der Liste mit Abhöropfern - vom Schauspieler bis zum Finanzminister. Mehrere hundert weitere könnten ebenfalls im Visier der Reporter gewesen sein.

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'News of the World'-Reporter sollen die Handys von Promis, Mord- und Terroropfern angezapft haben.

Das Medienimperium zog am Donnerstag Konsequenzen. Die Zeitung werde am Sonntag letztmalig erscheinen, teilte der Konzern mit. Sollten die derzeitigen Vorwürfe wahr sein, handele es sich um ein unmenschliches Verhalten der Journalisten, für die es keinen Platz mehr im Unternehmen gebe.

Demnach sollen die 'News of the World'-Reporter nicht nur Prominente, Verbrechensopfer und Angehörige der Opfer der Terroranschläge vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn angezapft haben. Auch Witwen von im Irak-Krieg gefallenen Soldaten sollen Opfer der illegalen Praktiken geworden sein, erfuhr der 'Daily Telegraph'.

Handy von getötetem Mädchen manipuliert

So sollen die Reporter zum Beispiel die Mailbox der vermissten Milly nicht nur abgehört, sondern sogar alte Meldungen gelöscht haben, um Platz für neue Konversationen zu schaffen. Auf diese Weise wurden Eltern und Polizei in den Glauben versetzt, die Vermisste könnte noch leben, obwohl ihr Entführer sie längst ermordet hatte.

Im Visier der Reporter waren zudem der heutige britische Schatzkanzler (Finanzminister), George Osborne und Michael Mansfield, der die Familie von Lady Dianas Liebhaber Dodi al-Fayed in einem Untersuchungsschuss zum Tod des Paares vertreten hatte. Beiden wurde von der Polizei mitgeteilt, ihre Telefonnummern seien im Zuge des Ermittlungsverfahrens aufgetaucht. Zuvor waren bereits Prominente wie die Schauspieler Sienna Miller, Jude Law und Hugh Grant als Opfer der Abhöraffäre genannt worden.