Großbritannien: Vergifteter Ex-Doppelagent Skripal verlässt das Krankenhaus

18. Mai 2018 - 14:43 Uhr

Nach Mordversuch wieder auf den Beinen

Wochenlang befanden sich Sergej Skripal und seine Tochter Julia nach einem Giftanschlag im Krankenhaus. Ihr Gesundheitszustand war teilweise kritisch. Nachdem Julia Skripal bereits im April das Krankenhaus verlassen durfte, wurde nun auch ihr Vater entlassen. Die Bundesregierung sieht die Verantwortung für den Fall weiterhin in Moskau, trotz neuer Erkenntnisse. Denn auch in Deutschland wurde das Nervengift Nowitschok schon gelagert, nicht nur in Russland.

Vergiftet auf einer Parkbank gefunden: Julia und Sergej Skripal

4. März in Salisbury, Großbritannien. Der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia werden von Passanten bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt und anschließend ins Krankenhaus gebracht. Untersuchungen zufolge wurden beide mit einer geringen Menge des Nervengifts Nowitschok vergiftet. Julia Skripal wird einen Monat lang im Krankenhaus behandelt, ihr Vater muss bis zum 18. Mai noch das Klinikbett hüten. Nach seiner Entlassung befinden sich beide an einem geheimen Ort.

Gift für die internationale Diplomatie

dpatopbilder - 08.03.2018, Großbritannien, Salisbury: Einsatzkräfte in Schutzanzügen ziehen sich zurück, nachdem sie über der Bank, auf der der frühere Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden wurden, ein
Archiv: Russischer Ex-Spion vergiftet
© dpa, Andrew Matthews, afn pat

Nowitschok ist ein extrem gefährliches Nervengift, chronische Folgen und später auftretende Schäden sind möglich. Eine erhöhte Menge des Gifts wurde nicht nur im Blut der Skripals, sondern vor allem an der Türklinke ihres Wohnhauses nachgewiesen. Weil die Substanz früher in der Sowjetunion hergestellt wurde, richten sich die Vorwürfe für den Anschlag gegen Russland. Moskau wies diese jedoch zurück.

Der Mordanschlag auf den Ex-Agenten und seine Tochter hatte gravierende Folgen für die diplomatischen Beziehungen vor allem zwischen Russland und Großbritannien. Zahlreiche Diplomaten wurden auf beiden Seiten ausgewiesen.

Auch der BND lagerte Nowitschok

Aber auch der deutsche Bundesnachrichtendienst soll sich Mitte der 1990er Jahre eine Probe des gefährlichen Nervengifts verschafft haben. Deshalb halten viele Politiker die Theorie, nur Russland könne den Anschlag verübt haben, für nicht haltbar. Trotz neuer Ergebnisse über die Verbreitung des Nervengifts sieht die Bundesregierung die Verantwortung für den Fall weiterhin in Moskau. Der Vorsitzende der Linksfraktion André Hahn in einem Interview: "Die Aussage der Bundesregierung, es gebe keine andere nachvollziehbare Erklärung, ist vom Tisch. Jetzt gibt es zumindest eine andere ebenfalls plausible Option. Das ist schon ziemlich krass."

Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Konstantin von Notz, erklärte, dass es zwar gut gewesen wäre, über die Proben des BND zu sprechen, aber "der Tatverdacht, der im Raum steht, ist weitgehend schlüssig."