400 Opfer nach England gelockt und zur Arbeit gezwungen

Schlepperbande wegen moderner Sklaverei verurteilt

© PA Press Association

5. Juli 2019 - 20:57 Uhr

Polnische Schlepper in Großbritannien verurteilt

Kein Lohn für Zwangsarbeit, keine funktionierenden Toiletten in ihrer Behausung, oft nur abgelaufene Lebensmittel. Unter diesen unwürdigen Bedingungen litten die bis zu 400 Opfer einer polnischen Schlepperbande. Fünf Männer und drei Frauen sind in Großbritannien in einem Fall moderner Sklaverei zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das teilte die britische Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service) am Freitag mit.

Bis zu elf Jahre wegen moderner Sklaverei

Die fünf Männer und drei Frauen im Alter von 29 bis 53 Jahren sollen jahrelang Hunderte ihrer Landsleute unter falschen Versprechungen ins englische Birmingham gelockt und dort zur Arbeit gezwungen haben. Es könnte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um den größten Fall dieser Art in Europa handeln. Die Täter müssen nun für bis zu elf Jahre hinter Gitter.

Faule Lebensmittel und keine Toilette

Die bis zu 400 Opfer, von denen viele in Polen auf der Straße gelebt hatten und unter Abhängigkeiten litten, wurden im Großraum Birmingham auf engstem Raum und unter haarsträubenden Bedingungen untergebracht.

So bekamen sie nach Angaben der Polizei oft nur abgelaufene Lebensmittel zu essen und hatten weder angemessene Möbel noch Heizung, manchmal nicht einmal eine funktionierende Toilette zur Verfügung. Sie mussten unter Androhung von Gewalt beispielsweise als Erntehelfer oder auf Baustellen arbeiten.

Schlepper machten 2,7 Mio Euro Gewinn

Eine der Täterinnen nutzte ihren Job in einer Arbeitsagentur, um Anstellungen zu vermitteln. Der Lohn wurde größtenteils einbehalten. Die Täter beantragten im Namen ihrer Opfer sogar Sozialhilfe, die sie ebenfalls einstrichen. Insgesamt sollen sie damit umgerechnet 2,7 Millionen Euro Gewinn gemacht haben.

Opfer hatten Angst zu fliehen

"Die meisten fühlten sich nicht in der Lage, zu fliehen, ohne Kenntnis der Umgebung, wenig oder keinen englischen Sprachkenntnissen und niemandem, an den sie sich wenden konnten", sagte Chefermittler Nick Dale einer Mitteilung der Polizei zufolge.

Quelle: DPA/RTL.de