Großbritannien: Polizei findet Behälter mit Nowitschok in Amesbury

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13. Juli 2018 - 23:00 Uhr

Polizei hat die Nowitschok-Quelle in Amesbury identifiziert

Die Erleichterung bei den Ermittlern in Großbritannien ist riesengroß: Endlich weiß die Polizei, woher das Nervengift Nowitschok stammte, mit dem sich ein Paar aus Amesbury vergiftet hatte. Die Ermittler von Scotland Yard fanden einen Behälter im Haus des Mannes, in dem sich die Substanz befand. Nur wie das Fläschchen dorthin kam, ist noch unklar.

Gibt es einen Zusammenhang zur Skripal-Vergiftung?

Das Paar war mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gekommen. Die 44-jährige Frau aus Salisbury starb kurz darauf. Ihrem 45 Jahre alten Lebensgefährten geht es inzwischen besser. Er ist wieder ansprechbar und konnte auch schon von der Polizei befragt werden.

Der Fall erregte besonderes Aufsehen, weil nur wenige Wochen zuvor der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter in Salisbury ebenfalls mit Nowitschok vergiftet wurden. Beide überlebten den Anschlag knapp und wohnen jetzt an einem geheimen Ort. Die Ermittler versuchen nun, herauszufinden, ob das Gift in beiden Fällen aus der selben Quelle stammt.

Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später wurde damit auch in anderen Ländern experimentiert. London beschuldigt Moskau, Drahtzieher des Anschlags auf die Skripals gewesen zu sein. Der Kreml bestreitet jegliche Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Sollte es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen geben, würde das die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland weiter belasten.

Gesundheitsbehörde gibt noch keine Entwarnung

Die nationale Gesundheitsbehörde in England hatte die Bevölkerung in Amesbury und dem nahen Salisbury aufgefordert, keine unbekannten Gegenstände vom Boden aufzuheben. Eine Entwarnung gibt es immer noch nicht. "Wir können nicht garantieren, dass nicht noch mehr von der Substanz übrig geblieben ist", sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei hatte sechs Areale in Amesbury und im 13 Kilometer entfernten Salisbury abgesperrt, in denen sich das Paar kurz vor den ersten Symptomen aufhielt. Dazu zählen eine Apotheke, eine Kirche und das Wohnhaus des 45-Jährigen. Auch das Hostel, in dem seine Freundin lebte, wurde evakuiert.


Quelle: DPA, RTL.de