Kleiner Trost für britische Kneipenfans

Das Feierabendbier gibt's jetzt im virtuellen Pub

24. April 2020 - 17:14 Uhr

Von Kristina Völk, RTL-Studio London

Normalerweise geht man in England am Ende des Arbeitstages mit Kollegen oder Freunden in den Pub. Ob Bier, Wein oder Cocktail: Der Besuch ist längst zu einem Kulturgut der Briten geworden. Doch statt klirrender Gläser, dem Geruch von Bier und Schweiß und Menschen, die sich aneinander vorbeiquetschen, herrscht in Englands Pubs jetzt gähnende Leere. Denn auch hier gilt die coronabedingte Ausgangssperre. Das wollte Tom Stainer ändern – und hat kurzerhand einen virtuellen Pub gestaltet.

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So funktioniert der virtuelle "Red (On)Lion"-Pub

Im "Red (On)Lion"-Pup "treffen" sich Freunde und solche, die es werden wollen und genießen das eine oder andere Bier zusammen – jeder vom eigenen Sofa aus. Alles, was man für ein Treffen braucht, ist ein Computer und sein Lieblingsgetränk. "Es schaut ein bisschen aus wie ein Pub, in dem es verschiedene Räume gibt. Wir haben auch ein Bild von einem Freundlichen Barmann, der die Besucher begrüßt", sagt Tom Stainer.

Es geht also alles, was im Pub um die Ecke auch stattfindet: ein Abend mit den Freunden und Pub-Games – oder ein Gespräch mit Fremden an der Bar. Im Red (On)Lion kann man der Einsamkeit und Isolation trotzen.

Tägliches Pint gehört zur britischen Kultur

Tom Stainer ist Vorsitzender der Organisation CAMRA, die Pubs bewertet und weiß, wie wichtig das tägliche Pint im Pub für die Briten ist. "Hier kommen Gemeinden zusammen, manchmal ist es der einzige Gemeinschaftsraum, den es für viele gibt. Es ist ein Ort, an dem Klasse und Einkommen keine Rolle spielen und deshalb soziale Barrieren aufbrechen."

Britische Gastronomie leidet unter Corona-Krise

Als im März alle Pubs in Großbritannien wegen der Coronavirus-Krise schließen mussten, war das für viele Eigentümer und Mitarbeiter der Gastronomie eine Schreckensbotschaft. "Über Nacht ist das komplette Einkommen der Industrie weggefallen. Wir machen uns Sorgen, dass manche Pubs diese Zeit nicht überstehen, weil viele sehr eng kalkulieren und Mitarbeiter weiterhin finanziell unterstützen", sagt Tom Stainer.

Um die Pubs vor einem sicheren Ruin zu retten, ist es möglich, während seines online getrunkenen auch an eine Kampagne zu spenden. Die Nachfrage ist groß: Seit der Eröffnung des "Red (On)Lion" haben die 11.376 Besucher schon 8.975 virtuelle Drinks bestellt.

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