Brexit-Boris neu an der Spitze der konservativen Partei

Johnson wird neuer britischer Premierminister

23. Juli 2019 - 14:08 Uhr

Tories wählen Nachfolger von Theresa May

Boris Johnson wird neuer Premierminister Großbritanniens. Die Mitglieder der konservativen Partei wählten den umstrittenen Brexit-Kämpfer zum neuen Partei- und Regierungschef. Johnson galt schon lange als haushoher Favorit für die Nachfolge von Theresa May. Am Dienstagmittag verkündeten die Tories in London das Ergebnis der Mitgliederabstimmung. Johnson setzte sich bei der innerparteilichen Wahl mit 92.153 Stimmen gegen seinen Rivalen Jeremy Hunt durch, der 46.656 Stimmen erhielt.

Neue Bewegung im Brexit-Gezerre?

Der Brexit-Hardliner will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union herausführen - notfalls auch ohne Abkommen. Ein solcher No Deal würde vor allem für die Wirtschaft unangenehme Konsequenzen haben, da es zu einer Wiedereinführung von Zöllen kommen könnte. May war mit ihrem mit Brüssel ausgehandelten Abkommen drei Mal im Parlament krachend durchgefallen.

Brexit-Gegner hoffen, dass Johnson eine ähnliche Bruchlandung hinlegen wird, wie seine Vorgängerin. Magels Mehrheit blieben am Ende dann nur Neuwahlen und womöglich ein neues Referendum, das den Brexit-Entscheid wieder rückgängig macht. In Brüssel wird jetzt schon damit gerechnet, dass es Ende Oktober noch einmal einen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs gibt, um zu besprechen, ob eine erneute Verschiebung des Austrittsdatums möglich ist.

Boris Johnson und Donald Trump

Boris Johnson, a leadership candidate for Britain's Conservative Party, leaves his office in London, Britain July 22, 2019. REUTERS/Henry Nicholls
Boris Johnson verlässt sein Büro in London - er zieht in die Downing Street 10
© REUTERS, HENRY NICHOLLS, AWI/MAT/JCS

Vielleicht könnte der Wechsel in der Downing Street zumindest dem Verhältnis mit den USA neuen Auftrieb geben. Zuletzt verursachten unter anderem geleakte Botschaftermemos Verstimmung zwischen Washington und London. Die wirtschaftlichen Interessen auf beiden Seiten sind groß.

US-Präsident Donald Trump hat klargemacht, dass Johnson seinen Segen hat. "Ich denke, wir werden eine großartige Beziehung haben", sagte er am vergangenen Freitag vor Journalisten. May kritisierte der Republikaner dabei erneut scharf. Sie habe einen "sehr schlechten Job" beim Brexit gemacht, es sei eine Katastrophe. "Ich denke, Boris wird das geraderücken, fügte Trump hinzu.