Behörden vermuten Brandstiftung

Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern: Weiteres Dorf evakuiert

Waldbrand immer noch nicht unter Kontrolle Löscharbeiten in Mecklenburg-Vorpommern
01:02 min
Löscharbeiten in Mecklenburg-Vorpommern
Waldbrand immer noch nicht unter Kontrolle

30 weitere Videos

Größter Brand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns

Es ist der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns: Tagelange sengende Hitze, die anhaltende Dürre und dann dreht jetzt auch noch der auffrischende Wind immer wieder die Richtung. Schlechter könnten die Bedingungen für die Löschrbeiten kaum sein. Wegen der Gefahr der Ausdehnung ist am Montagabend ein viertes Dorf evakuiert worden. Wie die Pressesprecherin des Landkreises Ludwigslust-Parchim mitteilte, wurde nach Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs nun der etwa 100 Einwohner kleine Ort Volzrade geräumt.

Brand auf ehemaligem Militärgebiet

Der Brand befindet sich auf einem mit Munition verseuchten Gebiet. Früher sei in der Nähe von Lübtheen ein Truppenübungsplatz gewesen, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD). Außerdem habe sich dort im Zweiten Weltkrieg ein Marinestützpunkt befunden. Der sei irgendwann gesprengt worden - aber nicht jede Munition detonierte. Dadurch ergäbe sich jetzt die Gefahr für Anwohner und auch Rettungskräfte.

"Zu diesen Gebieten müssen mindestens 1.000 Meter Abstand gehalten werden", erklärte Backhaus. „Und wenn es dann knallt, wie ich es selber erlebt habe, denkt man schon darüber nach, ob das richtig ist, was man hier macht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Bei der Suche nach den Ursachen für die verheerenden Brände geht die Polizei nach eigenen Angaben dem begründeten Verdacht auf Brandstiftung nach. "Da Kräfte der Feuerwehr gleich mehrere Brandherde meldeten, besteht der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung", heißt es in einer Mitteilung des zuständigen Polizeipräsidiums Rostock.

Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen und suche nach Zeugen. Wer im Waldgebiet südlich von Jessenitz-Werk Beobachtungen, Fotos oder Videos gemacht habe, die zur Aufklärung der Brände beitragen könnten, solle sich melden.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Katastrophenfall ausgerufen

01.07.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Alt Jabel: Feuerwehrleute pumpen Wasser aus einem Löschteich im evakuierten Ort Alt Jabel. Die Feuerwehrmänner sichern die Versorgung mit Löschwasser. Wegen des Waldbrandes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei
Großeinsatz der Feuerwehr nach Waldbrand bei Lübtheen
jbu, dpa, Jens Büttner

Man gehe derzeit offensiv gegen Schaulustige vor, die nur in die Gegend fahren würden, um sich den Brand anzusehen. "Das erschwert den Einsatz, das kann man nicht gebrauchen", sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Er sei dem Landkreis dankbar, dass der Katastrophenfall schnell ausgerufen worden sei. So könne man leichter entsprechend auf die ganze Situation reagieren. Man hoffe jetzt auf die Unterstützung vom Bund, da die Munition, die im Boden liege, auf die deutsche Geschichte zurückzuführen sei. "Die Landesregierung hat große Erwartungen an den Bund", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister. Er würde es sogar in Erwägung ziehen, Löschflugzeuge aus der EU anzufordern.

Man arbeite mit Hochdruck an den Löscharbeiten. Allerdings sei man noch lange nicht über den Berg. "Wenn man sieht, dass Leute, die hier verwurzelt sind, ihre Dörfer verlassen müssen, dann geht das nicht nur an die Gräten, sondern an die Seele", so Backhaus.

Brandgeruch sogar in Berlin und Leipzig wahrnehmbar

Rauchschwaden zogen bis nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dort waren Menschen aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wie aus einer amtlichen Warnung der Regional-Leitstelle Nord-West über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App NINA hervorging. Der Brandgeruch war am Montag etwa auch im rund 200 Kilometer entfernten Berlin wahrnehmbar. Die Hauptstadt-Feuerwehr twitterte: "Der Geruch ist lästig, aber nicht gefährlich!"

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Selbst bei den Feuerwehren in Leipzig und Dresden gingen am Morgen zahlreiche Anrufe von Bürgern ein. Sie berichteten, dass es stark nach Rauch rieche, aber nirgends brenne, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Leipzig.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformfacebook, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

350 Einsatzkräfte bei Brand in Mecklenburg-Vorpommern

Seit vergangenem Wochenende sind etwa 900 Menschen evakuiert worden und mehr als 430 Hektar in Brand geraten. Zum Vergleich: Ein normales Fußballfeld ist etwa einen Hektar groß. Ungefähr 350 Einsatzkräfte - darunter das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr - sind im Einsatz. Derzeit kann allerdings nur ein Löschpanzer bei den Arbeiten helfen.