Größte Anti-Regierungs-Proteste in Serbien seit Jahren

12. Februar 2016 - 23:48 Uhr

Bei den größten Anti-Regierungs-Protesten in Serbien seit Jahren haben zehntausende Menschen vorgezogene Neuwahlen gefordert. In der Hauptstadt Belgrad beteiligten sich nach Angaben der Polizei 70.000 Menschen an dem von der Opposition organisierten Protest. Sie warfen der pro-europäischen Regierung vor, für eine Verschlechterung der Lebensbedingungen und eine nur schleppende Anbindung an die EU verantwortlich zu sein. "Sie haben uns Milch und Honig bei der Wahl 2008 versprochen, und was haben wir jetzt? Mehr Entbehrungen und eine verlogene und arrogante Regierung, die sich nicht um ihr eigenes Volk kümmert", sagte eine Demonstrantin.

Die Regierung weist die Forderung vieler Bürger nach höheren Löhnen bislang unter Verweis auf leere Kassen zurück. Im Januar waren daher landesweit viele Lahrer in Streik getreten. Polizisten schlossen sich in dieser Woche an und auch Ärzte, Krankenschwestern sowie Apotheker erwägen diesen Schritt.

Serbien erholt sich nur langsam von den Folgen der Weltwirtschaftskrise. Das führt zu wachsender Unzufriedenheit der Menschen in der Region. So starben in Albanien vor zwei Wochen drei Menschen bei Protesten. Im Kosovo und in Bosnien gibt es auch Monate nach den Wahlen noch keine neuen Regierungskoalitionen. Zudem gibt es Anzeichen, dass in Mazedonien die Wahlen vorgezogen werden könnten.