Große Koalition beantragt Änderung des Gesetzes

Grippe-Impfungen soll es auch in der Apotheke geben

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22. Oktober 2019 - 12:46 Uhr

CDU/CSU und SPD wollen Impfquote erhöhen

Noch immer ist die Impfquote in Deutschland nicht hoch genug, um die Bevölkerung ausreichend gegen gefährliche Grippeviren zu schützen. Deshalb haben CDU/CSU und SPD jetzt einen Änderungsantrag des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht, der die Grippe-Impfung auch in Apotheken möglich machen soll. Doch davon ist nicht jeder überzeugt.

Die Voraussetzungen: Schulungen, eigene Räume, Impfung erst ab 18

Im Rahmen des Masernschutzgesetzes fordert die Große Koalition, dass sich die Deutschen zukünftig auch in Apotheken gegen Grippe (Influenza) impfen lassen können. Die Voraussetzungen hierfür: Eine entsprechende Schulung der Apotheker, eigens dafür eingerichtete Räume sowie eine Impfung nur für volljährige Personen. Die Durchführung soll in regionalen Modellprojekten erfolgen, die wissenschaftlich begleitet werden – unter anderem vom Robert Koch Institut. So soll nach Ablauf von fünf Jahren feststehen, ob die Maßnahmen dafür sorgen, dass sich tatsächlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen.

Grippewelle 2017/2018 kostete 25.000 Menschen das Leben

Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, hält das für den richtigen Schritt: "Lasst Apotheker gegen Grippe impfen, wenn wir so die Durchimpfungsrate erhöhen und viele Grippetote vermeiden können", sagte er der "Rheinischen Post". In Frankreich und in der Schweiz sind Apotheken bereits dazu berechtigt. "Die Grippewelle 2017/2018 kostete über 25.000 Menschen in Deutschland das Leben. Was in Nachbarländern geht, muss auch hier möglich sein."

Viele Mediziner halten hingegen nichts von dem Vorstoß der Großen Koalition. Sie befürchten, dass Patienten nicht ausreichend beraten werden: "Impfungen gehören nicht in eine Apotheke, das haben Apotheker nie gelernt", bemängelt Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des deutschen Hausärzteverbandes, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jeder Zweite über 70 nicht geimpft

Die geringe Impfquote ist vor allem in bestimmten Altersgruppen ein Problem: Bei den über 70-Jährigen, die besonders gefährdet sind, war in der Grippe-Saison 2018/2019 nicht einmal jeder Zweite geimpft. Laut Angaben zu den AOK-Versicherten im Rheinland war die Impfquote in der Altersgruppe der 80- bis 89-Jährigen mit 43 Prozent am höchsten. Von den 60- bis 69-Jährigen waren nur 24 Prozent geimpft.

Wer sich auf jeden Fall gegen Grippe impfen lassen sollte, erfahren Sie hier.