Griechenland: Hedgefonds fordern Menschenrecht ein

Griechenlands Premierminister Papademos setzt Hedgefonds unter Druck, diese wiederum drohen mit Klage
Griechenlands Premierminister Papademos setzt Hedgefonds unter Druck, diese wiederum drohen mit Klage
© dpa, Orestis Panagiotou

10. Februar 2016 - 12:42 Uhr

Raue Verhandlungen

Der Ton in den Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland wird rauer. Und die Zeit drängt. "Um ehrlich zu sein, viele Dinge müssen bis morgen Mittag abgeschlossen werden" sagte Finanzminister Evangelos Venizelos. "Vieles muss bis Montag offiziell gemacht werden, wenn ich zum Treffen der Euro-Gruppe fahre."

Rund 100 Milliarden Euro Entlastung (von insgesamt 350 Milliarden Euro Schulden) soll dem Land der Forderungsverzicht seiner privaten Gläubiger - Banken, Versicherer oder Hedgefonds, die griechische Staatsanleihen im Portfolio haben - bringen. Der Schuldenschnitt soll über einen freiwilligen Anleihentausch zustande kommen.

Genau diese Tatsache katapultiert das griechische Schuldenpulverfass auf die nächste Eskalationsstufe. Vor allem die Hedgefonds weigern sich bisher mitzumachen. Der teilweise Schuldenerlass ist aber Voraussetzung für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland.

Da aber die letzten Gespräche immer noch keine Einigungen gebracht hatten, drohte der griechische Premierminister Lucas Papademos, den Forderungsverzicht der Hedgefonds zu erzwingen und notfalls per Gesetz durchzusetzen. Dabei bezieht sich Papademos auf die Tatsache, dass die Anleihen nach griechischem Recht ausgegeben wurden, und demnach können die Zahlungsbedingungen jederzeit geändert werden.

Der Konter der Hedgefonds kam kurz danach und ebenso heftig. Laut einem Bericht der 'New York Times' (NYT) drohen die Hedgefonds im Falle eines Zwangsverzicht mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Ausgangspunkt für diese Klage könnte demnach eine mögliche Verletzung des Eigentumsrechts sein, das in der EU als Menschenrecht gilt.

Riskantes Geschäftsfeld

Hedgefonds sind eine spezielle Art von Investmentfonds, die sich durch eine eher spekulative Art der Anlage auszeichnen. Dadurch können sie sehr hohe Gewinne erzielen, allerdings ist auch das Risiko des Verlustes sehr hoch. Hedgefonds setzen bei ihren Geschäften häufig Derivate ein. Derivate sind ein sehr komplexes Geschäftsfeld, es können an die Entwicklung von Kursen oder Preisen gekoppelte Verträge sein oder das Spekulieren auf den Eintritt eines Ereignisses.

Ein weiteres häufiges Mittel, um Gewinn zu erwirtschaften sind Leerverkäufe. Leerverkäufe sind Aktiengeschäfte, bei denen jemand Aktien verkauft, die er zum Zeitpunkt des Verkaufs noch gar nicht besitzt. Der 'Leerverkäufer' muss nicht sofort, sondern innerhalb einer gewissen Frist liefern. Er verkauft also Aktien, die er nicht hat, und hofft, dass der Kurs im Laufe des Tages fällt und kauft sie schließlich billiger als er sie schon lange verkauft hat. Die Differenz ist sein Gewinn.