Griechenland-Diskussion: Westerwelle fordert Ende des Euro-Mobbings

Außenminister Guido Westerwelle (r,) und sein griechischer Amtskollege Dimitris Avramopoulos.
© dpa, Kay Nietfeld

06. September 2012 - 10:58 Uhr

Westerwelle ermahnt CSU

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die CSU wegen ihrer permanenten Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone scharf kritisiert. "Es ist falsch, vor dem Bericht der Troika ohne ausreichende Faktenlage über Griechenland zu urteilen", sagte er. "Das Mobbing gegen einzelne Euro-Länder aus parteipolitischem Kalkül muss aufhören."

Auch nach dem Berlin-Besuch von Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras drängt die CSU auf eine rasche Abkehr des Landes vom Euro - anders als Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die für einen Verbleib Athens in der Währungsunion plädiert

Samaras hatte bei Merkel vorgesprochen, und seine Bitte nach einen Aufschub für die Krisenbewältigung in seinem Land vorgebracht. Die Kanzlerin hatte zugehört und zugesichert, Deutschland wolle Griechenland im Euro-Raum behalten. Sie zeigte sich überzeugt, dass Samaras die Probleme lösen wolle.

CSU wettert weiter, Genscher warnt

Trotzdem feuern die Christsozialen weiter in Richtung Athen. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte in einem Interview: "Nach meiner Überzeugung führt an einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone kein Weg vorbei." Dobrindt sagte der 'Bild am Sonntag': "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone."

Aber sie dürfen zurückkommen. Nach einem geordneten Austritt müsse es aber "einen Marshallplan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes" geben. "Und wenn Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit entsprechend gesteigert hat, sollte es eine Option für die Rückkehr in den Euro geben."

FDP-Generalsekretär Patrick Döring argumentierte trotz aller Warnungen an Athen vorsichtiger. "Wer glaubt, ein Austritt Griechenlands würde am Ende preiswerter, der macht sich was vor", sagte er derselben Zeitung.

Der frühere FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher warnte ausdrücklich vor einem Euro-Austritt Athens. Genscher forderte im Nordwestradio, Deutschland solle alles tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Ein Austritt des Landes würde nicht nur die deutsche Volkswirtschaft und Bankenwelt treffen. Eine vielleicht noch größere Gefahr sei, "dass sich dann bestimmte Kräfte auf den noch nicht kontrollierten internationalen Finanzmärkten" gegen das nächste EU-Land richteten.

Trotz der erneuten Austrittsforderungen der CSU hat die Mehrheit der griechischen Presse hat eher positiv auf das Merkel-Samaras-Treffen reagiert. "Guter Anfang - Das Eis ist gebrochen", titelte die Athener Zeitung der politischen Mitte 'Ta Nea'. Berlin sei jetzt bereit, zumindest die Ansichten Athens anzuhören, meinte das Boulevardblatt 'Ethnos'.