Griechenland: Die Kinder der Krise

13. August 2015 - 9:35 Uhr

RTL-Reporter Oliver Beckmeier berichtet aus Griechenland

Mit den Schulden kam in Griechenland die Schuldenkrise, und auf diese folgte die Sozialkrise. Während Politiker analytisch kühl Rechnungen aufstellen und ein drittes 'Hilfspaket' verhandeln, präsentiert sich das Ergebnis bereits am wachsenden unteren Ende der Gesellschaft, wie zum Beispiel in einem Kinderheim in Athen.

Griechenland: Die Kinder der Krise
Kinder in Athener Kinderheim: Suche nach Perspektive

Die Kinder dort haben alle traumatische Erlebnisse hinter sich: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Drogen – der soziale Abstieg. Einige der Kinder wurden sogar von ihren Eltern selbst abgegeben, weil das Geld nicht mehr reichte, um die Familie durchzubringen. In dem Heim kümmern sich freiwillige Helfer um die Kinder, wie zum Beispiel Panagiotis Pardalis Dresios von der Hilfsorganisation 'The smile of the child'.

Er berichtet über die Auswirkungen der Krise und des Spardiktats, die aus den oberen Etagen der europäischen Institutionen brutal in die Gesellschaft durchschlagen: "Die Krise trifft direkt die Familien. Es gibt immer mehr Fälle von Gewalt, immer mehr Fälle von Missbrauch - und das wird in den nächsten Monaten noch schlimmer werden."

Verhindern, dass bereits Kinder ins Abseits geraten

Die Armut und Perspektivlosigkeit vieler Menschen ist auch in den Straßen der griechischen Hauptstadt nicht zu übersehen. Vor der Suppenküche warten täglich Dutzende auf etwas zu essen. Die Zahl der Drogensüchtigen im Land steigt, es gibt immer mehr Obdachlose. Wie viele genau, weiß niemand - und offen über ihr Leben sprechen mag kaum jemand von ihnen. "Die Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft werden dabei meist mit ihrem Schicksal alleine gelassen", berichtet RTL-Reporter Oliver Beckmeier.

Menschen wie Dresios wollen verhindern, dass bereits die Kinder ins Abseits gestoßen werden. Er und seine Kollegen arbeiten freiwillig in dem Heim. Rund um die Uhr ist jemand da – zum Reden, Zuhören, in den Arm nehmen. Aber es gibt einfach nicht genügend Platz, um alle bedürftigen Kinder aufzunehmen, und auch nicht genügend Geld. Bleibt zu hoffen, dass etwas vom nächsten Hilfspaket für das Heim abfällt. Denn es ist ein Ort, der es wirklich brauchen könnte.