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Grexit: Juncker warnt vor "verheerenden Folgen" für Griechenland

Grexit: Juncker warnt vor "verheerenden Folgen" für Griechenland

IWF wird wieder mit am Tisch sitzen

Eine griechische Regierungsdelegation will sich heute um Bewegung im festgefahrenen Schuldenstreit bemühen. "Die griechische Seite ist bereit, Gegenvorschläge vorzulegen, damit die übriggebliebenen Unterschiede (zu den Gläubigern) überbrückt werden", hieß es aus Regierungskreisen in Athen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnte Griechenland vor "verheerenden Folgen" eines Austritts aus der Euro-Währungsunion. Dies wisse auch der griechische Regierungschef Alexis Tsipras. "Er weiß, dass die Lage sich zuspitzt. Ich habe ihm das in allen Farben und in mehreren Sprachen nahegebracht", so Juncker.

Varoufakis
Quo vadis, Griechenland?
dpa, Yannis Kolesidis

Wie die Zeitung 'Die Welt' berichtet, wird bei den Unterredungen in der belgischen Hauptstadt Brüssel auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vertreten sein. Das IWF-Team hatte die Verhandlungen mit Griechenland am Donnerstag wegen "bedeutender Differenzen" verlassen. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF verhandeln mit der Athener Regierung über ein verbindliches Reformprogramm. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bisher blockierte Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erhalten kann, um es vor der Pleite zu retten.

Während sich die Regierung in Athen zuletzt in Optimismus übte, erörterten die Euroländer Notfallpläne. Entsprechende Szenarien besprachen die Finanzstaatssekretäre der Währungsgemeinschaft gestern erstmals bei einem Treffen in der Slowakei. 'Die Welt' berichtete unter Berufung auf zwei unmittelbar mit den Griechenland-Verhandlungen befasste Personen, der IWF werde "bei jedweden Treffen mit Regierungsvertretern repräsentiert sein". Der Fonds werde zudem das gesamte Team zurückbringen, "falls die technischen Gespräche nach dem Treffen am Samstag wieder aufgenommen werden". Die Euro-Finanzminister beraten am 18. Juni in Luxemburg über die Finanzkrise. Dann wird auch die IWF-Chefin Christine Lagarde wieder mit am Tisch sitzen.

Verständigung möglich, aber Grexit wird zur Option

Die griechische Regierung hält eine Verständigung bis dahin für möglich. "Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenlands weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre", sagte Staatsminister Alekos Flambouraris im Staatssender ERT. Die Regierung in Athen ist bereit, die Unterredungen mit den Gläubigern anzukurbeln, damit es bald zu einem Abkommen kommt. Renten- und Lohnkürzungen jedoch werde Griechenland nicht akzeptieren, verlautete aus Regierungskreisen. Athen verhandle lediglich über eine Umstrukturierung der Schulden sowie niedrige primäre Überschüsse, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Griechenland bleibt damit hinter grundsätzlichen Forderungen der Gläubiger zurück.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mahnte Athen, endlich seriöse Vorschläge zur Krisenlösung vorzulegen. "Wenn die griechische Regierung nicht bereit ist, schwierige Maßnahmen zu ergreifen, dann kommen sie nie aus der Misere", sagte er im niederländischen Fernsehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht weiter von einer Lösung aus. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", bekräftigte sie in Berlin. "Aber der Wille muss von allen Seiten kommen." Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier will Griechenland in der Eurozone halten: "Unterschätzt bitte nicht, was es für Europa bedeutet, wenn uns das nicht gelingt."

Zu den von den Euro-Finanzstaatssekretären in der slowakischen Hauptstadt Bratislava erörterten Notfallplänen gehören unter anderem Kontrollen des Kapitalverkehrs. Solche Kontrollen könnten aber nur von Athen selbst angeordnet werden, hieß es. Ziel solcher Notmaßnahmen ist es, den Abfluss von Geldern aus einem Land zu bremsen. Die Euro-Finanzminister hatten bisher in der Eurogruppe nicht über Alternativszenarien zu einer Rettung Griechenlands diskutiert.

Auch der Grexit ist ein Thema. Laut dem Wirtschaftsexperten Thomas Mayer wäre der verkraftbar. "Eine absolute Katastrophe à la Lehman sehe ich überhaupt nicht, denn Lehman war unheimlich vernetzt im internationalen Finanzsystem", sagte der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Deutschlandfunk. Die US-Investment Bank Lehman Brothers hatte mit ihrer Pleite 2008 eine internationale Finanzkrise ausgelöst. Griechenland hingegen sei schon länger vom internationalen Finanzmarkt abgeschnitten. Da ohnehin niemand mehr glaube, dass Griechenland seine Schulden voll zurückzahlen könne, würde ein Grexit nur zu einer Korrektur der Bilanzen führen. Für die Menschen und die Wirtschaft in Griechenland hätte ein Euro-Ausstieg hingegen verheerende Folgen.