Umweltaktivistinnen besuchen Merkel im Kanzleramt

Greta und die Kanzlerin: Was erreicht sie für das Klima?

Klimaaktivistinnen auf dem Weg ins Kanzleramt
© dpa, Kay Nietfeld, nie htf

20. August 2020 - 13:01 Uhr

Kann Merkel Greta Thunberg zufriedenstellen?

Greta Thunberg ist für ihren kompromisslosen Einsatz fürs Klima weltbekannt. Genau zwei Jahre nach ihrem ersten "Schulstreik fürs Klima" besucht sie Angela Merkel. Schwer vorstellbar, dass sie das Kanzleramt zufrieden wieder verlässt.

Eine herzliche Begrüßung im Kanzleramt

Kanzlerin Angela Merkel begrüßt die Aktivistinnen. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte eine kleine Videosequenz.

Greta trifft auf die Meisterin des Kompromisses - gibt es auch hier einen?

Es ist eine Art Gipfeltreffen: Die wohl bekannteste Klimaaktivistin der Welt trifft sich mit der - laut Forbes-Magazin - mächtigsten Frau der Welt. Greta Thunberg ist 17 und bekannt für ihre Kompromisslosigkeit, Angela Merkel ist 66 und berufsbedingt eine Meisterin des Kompromisses. Die Bundeskanzlerin empfängt Thunberg mit Mitstreiterinnen im Kanzleramt - auf Wunsch der Aktivistinnen von Fridays for Future, wie es zuvor ausdrücklich hieß. Das Thema, natürlich: Klimapolitik.

Nach dem für rund 90 Minuten angesetzten Gespräch wollen sich Thunberg, die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer und die Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier öffentlich äußern, die Kanzlerin plant kein Statement. Es ist unwahrscheinlich, dass sie zufrieden sein werden mit dem, was Merkel ihnen berichten kann.

Klima-Aktivistinnen hatten offenen Brief an die EU geschrieben

Die klimapolitische Musik spielt derzeit weniger in Berlin und mehr in Brüssel, wo es um die Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030 geht. Deutschland hat seit Juli für ein halbes Jahr die Ratspräsidentschaft inne und steht deshalb im Fokus. 50 bis 55 Prozent weniger Treibhausgase als 1990, wie die EU-Kommission und Merkel vorschlagen: Zu wenig aus Sicht der Klimaschützer. Treibhausgas-Neutralität, also unterm Strich keine Emissionen mehr, bis 2050: Zu spät aus Sicht der Klimaschützer. Auch der deutsche Kohleausstieg bis spätestens 2038 ist für Fridays vor Future viel zu zögerlich.

Der Anlass des Gesprächs sei der offene Brief, den Thunberg, sie und andere an Merkel und die Staats- und Regierungschefs der EU geschrieben hätten, erklärte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Treffen. Die Forderungen in diesem Brief wollten sie nun mit Merkel besprechen. "Ich erwarte einen konstruktiven Austausch", sagte sie diplomatisch. "Welche konkreten Ergebnisse wir dann mitnehmen, werden wir dann danach sehen müssen, schätze ich." Europa stecke in mehreren Krisen zugleich und bisher zeichne sich nicht ab, wie der Kontinent das Pariser Klimaabkommen einhalten könne, mit dem die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad begrenzt werden soll.

Unterstützung bekommen die Aktivivistinnen von den Grünen. Renate Künast sagte im RTL-Frühstart: "Gerade diese jungen Frauen sind ja jetzt seit zwei Jahren unterwegs, sind aktiv und fordern ein, dass sie auch noch Zukunftschancen haben und dass endlich Maßnahmen ergriffen werden gegen die Klimakrise!"

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