RTL/ntv Frühstart

Greenpeace-Chefin: Deutschland hindert EU an aktiver Klimapolitik

22. Januar 2020 - 16:48 Uhr

Kohleausstieg müsse früher möglich sein

Die Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan fordert von Deutschland mehr Ambitionen in der Klimapolitik. "Die Welt schaut nach Deutschland, um zu sehen: Können Sie den Kohleausstieg bitte früher schaffen? Können die Klimagesetze ambitionierter sein?", sagte Morgan der RTL/ntv Redaktion beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Deutschland kämpfe mit zwei Impulsen: "Warum macht man wissenschaftlich nicht mehr? Dagegen steht die Sorge um Branchen wie die Autoproduktion." So falle Deutschland hinter andere Länder zurück und hindere auch die EU daran, aktiv zu werden. "Bevor wir ein ambitioniertes Deutschland sehen, ist es schwierig eine ambitionierte EU zu sehen", sagte Morgan.

"Pläne zum 'Green New Deal' hätten noch ambitionierter sein können"

Die Pläne der neuen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, einen "Green New Deal" zu implementieren, um Europa zu einem klimaneutralen Kontinent zu machen, hätten laut Morgan "noch ambitionierter sein können". Es sei "sehr wichtig, dass es mit dem 'Green New Deal' vorangeht, damit die EU ein Beispiel sein kann. Die EU ist noch nicht aktiv genug". Das liege teilweise daran, dass "die nationale Politik von Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Polen ein Hindernis ist". so Morgan im RTL/ntv Frühstart.

Der Spagat, ambitioniert zu handeln, aber auch Unternehmen die Möglichkeit zu geben sich umzustellen, gelinge mit klaren Forderungen, sagte Morgan. "Es gelingt, wenn es ein klares Gesetz gibt für eine klimaneutrale Welt bis optimal 2040 in Europa, und wenn die Unternehmen sagen, was für Gesetze sie brauchen, was für Forschung sie brauchen. Dann könnte es sehr schnell gehen." Die Unternehmen seien jedoch "noch immer in derselben Defensive wie in den letzten 20 Jahren, darum ist jetzt so wenig Zeit. Sie müssen jetzt handeln, denn die Atmosphäre wird nicht warten, die Auswirkungen finden statt in Australien, in Indonesien, weltweit. Das hört nicht auf".

"Es machen immer noch ziemlich viele, was sie wollen."

Vom Weltwirtschaftsforum (WEF) erwartet Morgan, dass die Akteure "die Lösung auf den Tisch legen, zum Beispiel die Banker zusammenbringen und sagen: 'Wir verstehen, dass wir für den Finanzsektor Regulierung brauchen. Er muss seinen CO2-Fußabdruck kalkulieren und eine Verpflichtung eingehen.' Das WEF müsste einen Vorschlag machen, damit sie die Lösung diskutieren.

Dann könnte die Gruppe vorankommen und sagen, was sie wiederum von Regierungen erwartet." Leider habe sie solch eine proaktive Initiative noch nicht gesehen. "Es machen immer noch ziemlich viele, was sie wollen."