FDP-Fraktionsvize im RTL/n-tv Frühstart

Graf Lambsdorff greift AKK an: "Unsere Soldatinnen und Soldaten haben Besseres verdient"

12. November 2019 - 11:49 Uhr

"Kramp-Karrenbauer setzt falsche Prioritäten"

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff hält das öffentliche Gelöbnis von Soldatinnen und Soldaten in deutschen Innenstädten für eine gute Idee, um die Truppe sichtbarer zu machen. Zugleich kritisierte er jedoch im RTL/n-tv Frühstart, die Verteidigungsministerin setze falsche Prioritäten.

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"Sympathie ersetzt nicht Sachkenntnis"

Problematisch sei aus Sicht Graf Lambsdorffs, dass Kramp-Karrenbauer offenbar die Priorität habe, in der CDU als Parteipolitikerin erfolgreich zu sein. "Sie hat ja auch überhaupt keine Vorkenntnisse der Bundeswehr, der Sicherheitspolitik, dessen, was sie da jetzt tun soll. Sie ist in das Verteidigungsministerium gekommen, um sich vorzubereiten auf eine Rolle als Kanzlerkandidatin der CDU", so der außenpolitische Sprecher. Er glaube, Kramp-Karrenbauer sei eine sympathische Person. "Aber Sympathie ersetzt nicht Sachkenntnis und Sympathie ersetzt auch nicht die hundertprozentige Hingabe an den Job. Verteidigungsminister ist ein Fulltime-Job. Die Vorstellung, man kann Parteivorsitz, Kanzlerkandidatur, Machtkämpfe mit der CDU und all das neben dem Job als Verteidigungsministerin machen, das wird nicht klappen."

Parteipolitischer Streit auf dem Rücken der Bundeswehr

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Verteidigungsministerin, nimmt an der Sicherheitstagung "Nato Talk around the Brandenburger Tor" teil.
Graf Lambsdorff über AKK: "Sympathie ersetzt nicht Sachkenntnis und Sympathie ersetzt auch nicht die hundertprozentige Hingabe an den Job."
© dpa, Britta Pedersen, ped tba hpl

Kramp-Karrenbauer mache unabgestimmte Vorschläge, um sich gegenüber Außenminister Heiko Maas zu profilieren. "Heiko Maas macht eine Presskonferenz, um seine Kabinettskollegin, also die Bundesregierung intern, zu kritisieren". Es werde ein parteipolitischer Streit auf dem Rücken der Bundeswehr ausgetragen. "Ich bedaure das sehr, ich glaube, unsere Soldatinnen und Soldaten haben Besseres verdient", so Graf Lambsdorff.

Als dringendstes Problem der Bundeswehr sieht Graf Lambsdorff die mangelnde Ausrüstung. Die Verteidigungsministerin habe von ihrer Vorgängerin "einen Scherbenhaufen" übernommen. "Wir haben eine Zeit lang die Situation gehabt, dass keines unserer U-Boote geschwommen ist, wir haben viel zu wenig Panzer, und die wenigen, die wir haben, fahren nicht richtig. Wir haben ein riesen Problem mit Hubschraubern. Wir haben zu wenige, und die wenigen, die wir haben, fliegen nicht." Auch im Interesse der Soldaten sei das das Kernproblem der Bundeswehr. "In Auslandseinsätzen haben die Soldatinnen und Soldaten normalerweise gute Ausrüstung, aber zuhause wird deswegen die Ausbildung vernachlässigt. Aber sie brauchen eine Spitzen-Ausbildung, um eine leistungsfähige Armee zu sein."

Öffentliche Gelöbnisse gehören zu einer Republik dazu

Rekruten der Bundeswehr stehen beim feierlichen Gelöbnis vor dem Reichstag.    (zu dpa "Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude am Gründungstag der Bundeswehr"
Rekruten der Bundeswehr stehen beim feierlichen Gelöbnis vor dem Reichstag (Archivbild).
© dpa, Wolfgang Kumm, htf tig tba

Öffentliche Gelöbnisse in der Bundeswehr seien jedoch gut, "weil die Bundeswehr ja als Armee aus der Mitte der Bevölkerung heraus gedacht ist, auch schon gedacht war als sie gegründet wurde. Deswegen finde ich es richtig, dass die jungen Soldatinnen und Soldaten in der Öffentlichkeit zeigen, dass sie in der Bundeswehr unserem Land dienen wollen", sagte Graf Lambsdorff der RTL/n-tv Nachrichtenredaktion. Das Grundgesetz sage klar, "wir stellen zur Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland Streitkräfte auf. Das heißt, wir haben keine pazifistische Verfassung, sondern wir haben ein Grundgesetz, das die Bundeswehr vorsieht. Deswegen ist das überhaupt nicht militaristisch, sondern militärisch. Das gehört zu einer Republik dazu."