Zwei Jahre nach Unfalltod

Rockys letzte Ruhestätte enthüllt

02. Oktober 2020 - 21:42 Uhr

Grabstätte erinnert an Box-Weltmeister

Graciano Rocchigianis Tod am 1. Oktober 2018 knockte (Sport-)Deutschland aus – und zwar für mehr als zehn Sekunden. Mit "Rocky" starb einer der größten Boxer der deutschen Geschichte. Im Alter von nur 54 Jahren wurde Rocchigiani auf Sizilien von einem Auto überfahren. Zwei Jahre nach dem Unfall-Drama wurde jetzt das fertige Grab des Box-Champions in Berlin enthüllt. Rockys letzte Ruhestätte sehen Sie im Video.

"Ick bereue nüscht"

"Ich freue mich wirklich sehr, dass die letzte Ruhestätte meines Vaters nun endlich seiner würdig ist. Die Realisierung dieser außergewöhnlichen Grabgestaltung hat mich viel Zeit und Nerven gekostet, aber letztlich hat sich das große Engagement aller Beteiligten mehr als gelohnt", sagte Rocchigianis Tocher Janina Michalke.

Ein Miniatur-Boxring umrandet das Grab, den Grabstein ziert ein Paar Boxhandschuhe. Besucher können neben der Ruhestätte auf einem kleinen Bänkchen Platz nehmen, auf dem ein Spruch Rockys eingraviert ist, der irgendwie dessen wildes Leben widerspiegelt: "Ick bereue nüscht."

K.o. in der 9. Runde: 1991 schickte Graciano Rocchigiani seinen Gegner Alex Blanchard trotz zugeschwollenem Auge auf die Bretter und wurde Europameister
Rocchigiani gab im Ring alles - auch, wenn er wie beim EM-Sieg über Alex Blanchard eigentlich nix mehr sah
© Imago Sportfotodienst , Horstmüller

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Rocchigianis sportliche Meilensteine

  • 11. März 1988: Als dritter Deutscher nach Max Schmeling und Eckhard Dagge wird Rocchigiani Box-Weltmeister. In Düsseldorf besiegt er den Amerikaner Vincent Boulware durch Technischen K.o. in Runde 9 und krönt sich zum IBF-Champion im Supermittelgewicht.
  • 13. September 1991: Gegen den Holländer Alex Blanchard gelingt Rocky der vielleicht legendärste Sieg seiner Karriere. Obwohl sein rechtes Auge komplett zugeschwollen ist, schlägt er den Holländer Alex Blanchard in Düsseldorf durch T.K.o. in Runde 8 und verteidigt seinen wenige Monate zuvor errungenen EM-Titel im Halbschwergewicht.
  • 5. Februar 1994: Rocchigiani verliert in Berlin den Kampf um die WBO-WM im Supermittelgewicht gegen die britische Box-Ikone Chris Eubank knapp und umstritten nach Punkten.
  • 27. Mai 1995: In Dortmund trifft Rocky auf Halbschwergewichts-Weltmeister und Publikumsliebling Henry Maske. Obwohl der Berliner die härteren Treffer landet, werten die Punktrichter nach 12 Runden einstimmig zugunsten Maskes – ein Urteil mit "G'schmäckle".
  • 14. Oktober 1995: Klare Punktniederlage im Revanchekampf gegen Maske in München.
  • 10. August 1996: Skandal-Niederlage im Halbschwergewichts-Titelkampf gegen WBO-Weltmeister Dariusz Michalczewski am Hamburger Millerntor. Wegen Nachschlagens in Runde 7 wird Rocky (erst nach dem Kampf) disqualifiziert.
  • 21. März: Rocchigiani erobert durch einen Punktsieg über den Amerikaner Michael "Second to" Nunn den WBC-Gürtel im Halbschwergewicht. Später knöpft ihm der korrupte Verband den WM-Titel nach Gutsherrenart wieder ab. Rocky verklagt daraufhin den WBC, 2004 werden ihm 4,5 Millionen Dollar zugesprochen.
  • 15. April 2000: T.K.o.-Niederlage im Rückkampf gegen Michalczweski (Rockys einzige vorzeitige Pleite in 48 Preiskämpfen) in Hannover.
  • 10. Mai 2003: Letzter Kampf, Punktniederlage gegen Thomas Ulrich in Stuttgart.