Grab entdeckt: Steinzeitlicher Massenmord bei Frankfurt

Dieser Schädel eines drei bis fünf-jährigen Kind ist gebrochen.
Dieser Schädel eines drei bis fünf-jährigen Kind ist gebrochen.
© dpa, Christian Meyer

19. August 2015 - 10:51 Uhr

Überreste sind ca. 7.000 Jahre alt

Forscher haben in der Nähe von Frankfurt am Main Hinweise auf ein Steinzeitmassaker entdeckt. "Mindestens 26 Menschen wurden wahrscheinlich gefoltert, erschlagen und dann in eine Grube geworfen", sagte der Erstautor der Studie, Christian Meyer. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler sind die menschlichen Überreste etwa 7.000 Jahre alt und stammen damit aus der Jungsteinzeit.

Auffallend sei, dass vor allem Männer und 12 bis 13 Kinder begraben waren, erläuterte Meyer. Die einzigen zwei Frauen schätzen die Forscher auf über 40 Jahre. "Das kann bedeuten, dass die jungen Frauen von den Angreifern entführt wurden." Das Massengrab wurde bereits 2006 im hessischen Schöneck-Kilianstädten gefunden, aber erst später genauer unter die Lupe genommen.

Es gebe keine erkennbaren Spuren für ein rituelles, würdevolles Begräbnis, betonte Meyer. Nicht zuletzt deshalb gehen die Forscher von einem gewaltsamen Tod aus. "An vielen Schädeln und vor allem an den Waden- und Schienbeinen haben wir Frakturen gefunden", erklärte der Wissenschaftler, der sich auf die Analyse alter Knochen spezialisiert hat. "Diese Knochenbrüche müssen mit einer enormen Wucht entstanden sein." Vergleichbar sei diese mit der Kraft eines Autos. Die Beinknochen seien fast systematisch zertrümmert worden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei dem Massaker eine gesamte Siedlung ausgelöscht wurde. Das sei kein einzigartiger Vorfall für die Zeit. Neu sei hingegen die Brutalität der Angreifer. "Mit der Sesshaftigkeit gab es möglicherweise dann auch Konflikte um Gebiete", erklärte der Forscher.