Gesundheitslexikon: EKG-Erfindung revolutionierte die Medizin

19. August 2019 - 10:31 Uhr

Willem Einthoven: Google ehrt den EKG-Erfinder

Mit seinem EKG-Messgerät eröffnete der niederländische Arzt Willem Einthoven vielen Ärzten das "Fenster zum Herzen" ihrer Patienten. Für seine Erfindung wurde ihm sogar der Nobelpreis verliehen. Sehen Sie im Video, wie ein EKG funktioniert.

Was ist ein EKG?

Die Elektrokardiographie ist eine Untersuchung, welche die elektrische Aktivität des Herzens misst. Dabei wird der Strom, der durch die "Herzaktion" entsteht, über Elektroden abgeleitet und in einem EKG (Elektrokardiogramm) aufgezeichnet. Durch ein EKG kann der Arzt die Herzaktivität beurteilen und Aufschluss über Zustand und Funktionstüchtigkeit des Herzens gewinnen.

Der Herzschlag wird durch einen Impuls im rechten Vorhof des Herzens, dem Sinusknoten, ausgelöst. Dieser schwache Strom breitet sich anschließend über die Muskulatur beider blutgefüllter Vorhöfe aus. Sie ziehen sich dadurch zusammen und befördern das Blut weiter in die Herzkammern. Über den sogenannten AV-Knoten wird der elektrische Reiz aus den Vorhöfen auf die Muskulatur der Herzkammern weitergeleitet. Nun ziehen sich diese zusammen und transportieren das Blut weiter in die Lungenschlagader und Aorta. Währenddessen geht die Kontraktion in den Vorhöfen bereits wieder zurück und sie können sich erneut mit Blut füllen. Damit beginnt die Herzaktion erneut.

Bei diesen Aktivitäten im Herzen entsteht ein schwacher elektrischer Strom, der über das EKG gemessen werden kann. Dabei gibt es verschiedene EKG-Ableitungen. Bei einem Extremitäten-EKG werden drei Elektroden am Körper des Patienten befestigt, bei einer Brustwandableitung sechs Elektroden. Das klassische Standard-EKG kombiniert die beiden oben genannten Methoden und erfordert zwölf Elektroden. Diese werden jeweils an Armen und Beinen sowie an vorgegebenen Stellen am Brustkorb angebracht. Die Elektroden sind an ein EKG-Gerät angeschlossen, das die Herzaktion in den typischen spitzen Kurven aufzeichnet. Jeder Ausschlag bildet eine bestimmte Phase des Herzschlags ab.

Wann wird eine EKG-Untersuchung durchgeführt?

Das gängige EKG wird beim Patienten im Liegen durchgeführt und deshalb als Ruhe-EKG bezeichnet. Soll die Herzaktivität bei körperlicher Anstrengung überprüft werden, dann spricht man von einem Belastungs-EKG. In diesem Fall befindet sich der Patient auf einem Laufband oder Fahrrad. Eine weitere Form ist das Langzeit-EKG (LZ-EKG), bei dem die Messung über 24 Stunden unter normalen Alltagsbedingungen erfolgt.

Die häufigsten Gründe für eine EKG-Untersuchung sind Verdacht auf Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen sowie Vorhof- oder Kammerflimmern, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Verdickung der Herzwand, Überdosierung und Vergiftung mit bestimmten Medikamenten, Störungen in der Versorgung mit Mineralstoffen (zum Beispiel Kalium).

Da auch bei Notfalleinsätzen häufig eine EKG-Untersuchung notwendig ist, gehört ein mobiles EKG zur Ausrüstung jedes Rettungswagens.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Ein Ruhe- oder Langzeit-EKG belastet den Patienten nicht und ist völlig schmerzfrei. Ein Belastungs-EKG kann durch die körperliche Anstrengung gerade bei herzkranken Patienten zu Atemnot, Schwindel oder Brustschmerzen führen. Bei akuter Herzmuskelentzündung, erst kurz zurückliegendem Herzinfarkt oder sehr hohem Blutdruck darf ein Belastungs-EKG nicht durchgeführt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.