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GNTM-Kolumne 2021: Wenn du „Black Swan“ bei Wish bestellt hast

Heidi Klum bei den Dreharbeiten zur 16. Staffel von GNTM in Berlin.
Heidi Klum bei den Dreharbeiten zur 16. Staffel von GNTM in Berlin.
© imago images/Future Image, Jens Krick via www.imago-images.de, www.imago-images.de

20. Februar 2021 - 13:14 Uhr

von Claudia Spitzkowski

Hach, Ballett! Graziöse Ballerinas schweben scheinbar schwerelos über die Bühne und wirken dabei so anmutig und elegant wie Elfen. In der aktuellen GNTM-Folge verstehen wir nun auch endlich, warum dafür jahrelanges Training nötig ist. Sonst wird aus "Schwanensee" nämlich "Wannabe-Pelikane an der Spree". Außerdem lernen wir, dass der Genuss von zu vielen Leberwurstbrötchen ein sexy Outfit ruinieren kann und verlieben uns ganz doll in Alex.

Echte Ballerinas trainieren jahrelang, bis sie Spitzentanz können? Egal!

In Folge 3 von "Germany's next Topmodel" 2021 ging es um "Körperbeherrschung, Wandelbarkeit und Ausdrucksstärke". Um diese aus den Meeeedchen herauszukitzeln, schickt Heidi sie zum Ballettraining. Echte Ballerinas trainieren jahrelang, bis sie Spitzentanz können? Egal! Dafür hat Heidi jetzt wirklich keine Zeit und treibt's direkt auf die Spitze. (Ja, okay, der war flach, sorry). "Ballettschuhe sind wie Schuhe, die einfach nicht richtig passen", philosophiert Mareike dann auch am Ende mit schmerzverzerrtem Gesicht und intellektueller hätte man die Erfahrungen dieses Tages wohl nicht zusammenfassen können.

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Wenn du „Black Swan“ bei Wish bestellt hast

Wir ahnen, dass es Heidi letztendlich nur darum ging, die Meeedchen in ein Natalie-Portman-Gedächtnis-Outfit zu stecken, um sie vor malerischer Berliner Kulisse an der Spree in eisiger Kälte fotografieren zu lassen. Was, wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, in etwa so viel mit Ballett zu tun hat, wie wenn sich Gerlinde und Carmen aus Porz an Karneval in die Tutus quetschen und sich als "Black Swan" kostümieren.

Macht aber nichts, denn eigentlich sollen die GNTM-Kandidatinnen das, was die gestrenge "Jetzt wird nicht mehr geredet!"-Ballettlehrerin an Körperspannung aus ihnen heraus holen konnte (Spoiler: es ist nicht viel), am Ende gar nicht benutzen. Sie sollen nämlich lediglich "interpretieren, was sie gelernt haben", erklärt Heidi. "Die sollen das nicht wie Ballerinas machen. Die sollen verstehen, dass sie Models sind, das muss nach Fashion aussehen!" Das sei nämlich "die Kunst beim Modeln". Danke, Heidi, dass du uns jede Woche so wertvolle Einsichten in die intellektuelle Fashion-Welt gibst!

Die Ballettrainerin, die somit ganz umsonst ihre wertvolle Lebenszeit an einen Haufen kichernder und ungelenker "Körper-Clowns" und "Wannabe-Pelikane" (O-Ton Mareike) verschwendet hat, wird beim nächsten Anruf von Heidi mit ziemlicher Sicherheit sagen: "Ich hab heute leider keine Trainingsstunde für dich!"

Und liebe Kinder, die ihr gerade im Home-Schooling sitzt und an vermeintlich falsch gelösten Textaufgaben verzweifelt: Wenn Mama und Papa das nächste Mal motzen, dann sagt ihr einfach "Wieso falsch? Ich hab das, was ihr mir beigebracht habt, einfach interpretiert." So nämlich.

Gibt es hier jemanden, der nicht in Alex verliebt ist?

So, Ironiemodus mal aus und kurz innehalten und die Liebe für GNTM-Kandidatin Alex spüren. Ballettunterricht mit drei Jahren war "die Hölle" und jetzt beim Tanztraining scheinen alle anderen Meeeedchen so viel "femininer" zu sein, aber trotzdem wuppe ich das Fotoshooting und gehe als Siegerin des Duells hervor? Check! Ich erzähle die Geschichte meiner Transition und meines Outings als transsexuelle Frau so schonungslos ehrlich und auf so berührende Art und Weise, dass meine Konkurrentinnen Tränen in den Augen haben? Check! Ich schaffe es, Liliana zu erklären, warum ich als transsexuelle Frau auf Männer stehe und nicht auf Frauen? Check! Wobei … beim letzten Punkt sind wir uns nicht ganz sicher. Trotzdem beenden wir diesen Absatz mit einer virtuellen La-Ola-Welle für Alex. Ironiemodus wieder an.

"Es ist nicht leicht, Heidi Klum zu sein!"

Nein, ist es nämlich nicht! Wer gedacht hat, im Leben von Heidi ist immer alles supidupi und sie hat ganz viel Sex mit Tom und ihre Tochter Leni macht Karriere und überhaupt scheint ihr immer die Sonne aus dem bei Instagram oft nackt gezeigten Allerwertesten, der wird in Folge 3 von GNTM 2021 eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass vor dem Entscheidungswalk gleich eine ganze Armee von Stylisten wie die Heuschrecken über Heidi herfällt und an ihren Haaren herumzupft, aufwändige Malerarbeiten im Gesicht macht und zwischen "Hans" und "Franz" herumwühlt, um das Mikro wieder festzutackern, während Heidi doch einfach nur versucht, sich den Satz "Ich habe heute leider kein Foto für dich" einzuprägen – nein, es kommt noch schlimmer für sie.

Denn der Moment der Wahrheit ist da, an dem sich jedes Top-Model fragen muss: Esse ich jetzt noch so ein leckeres Leberwurstbrötchen oder passe ich lieber auf, dass ich weiter in meine Overknee-Stiefel passe? Naomi, Claudia und Cindy kennen diesen schicksalshaften Moment sicher alle. Und was sollen wir sagen, vor einem Millionepublikum wird klar: in Heidis Fall haben die Leberwurstbrötchen gesiegt.

Sie platzt nämlich aus allen Stiefelnähten und nie haben wir uns der Klum näher gefühlt als in dem Moment, als sich der Reißverschluss nicht weiter nach oben bewegt hat. Hallo, wir sitzen fast ein Jahr im Homeoffice! Da sind wir glücklich, dass wir die Jogginghose noch über die Oberschenkel bekommen.

„Nightmare“-Walk? Willkommen in der Frühschicht!

Im Entscheidungswalk, der erneut nichts mit dem Ballettraining zu tun hatte (Rechthaberisch? Ich? Pffft!) mussten die Meeeedchen so tun, als würden sie aus einem süßen Traum in einen düsteren Alptraum geraten, aus dem sie fliehen wollen. Dann macht es kurz PUFF auf dem Laufsteg, Nebel steigt auf und es gilt, von Null auf 100 von der panischen Horrorfilm-Statistin zur selbstbewussten Catwalk-Queen zu switchen.

Worin bitte lag jetzt ganz genau die Herausforderung bei diesem sogenannten "Nightmare"-Walk? In meiner Welt nenne ich das, was da verlangt wurde, schlicht: "Wenn ich Frühschicht habe". Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen: Gerade noch geschlafen und was Schönes geträumt, dann reißt dich der Wecker um 3:30 Uhr aus dem Tiefschlaf, du taumelst im Dunkeln Richtung Bad und beim Anblick deines Spiegelbildes erschreckst du dich fast zu Tode. Doch kaum beginnt der erste Videocall des Tages, wechselst du "BÄÄÄÄM!" vom Zombiemodus auf "Die Weltherrschaft ist meiiiin!"-Attitüde und bist on fire. Aber SOWAS VON! Also, zumindest für die Dauer des Videocalls. Körperbeherrschung? Wandelbarkeit? Ausdrucksstärke? Nimm das, Heidi!

Manchmal denke ich sogar vor dem Call noch rechtzeitig daran, den himmelblauen Satin-Morgenmantel mit den aufgedruckten Wölkchen gegen was Seriöses zu wechseln. Sonst lachen die Kollegen nämlich.

Und von wem bekomme ich jetzt bitte mein Foto? Heidi? Heidi??? Okay, bis dahin schmiere ich mir jetzt erstmal ein Leberwurstbrötchen.