Gnadenfrist verlängert: Charlies Eltern dürfen sich länger von ihrem unheilbar kranken Sohn verabschieden

Jetzt darf Charlies ganze Familie ihm wenigstens auf Wiedersehen sagen

Der kleine Charlie Gard aus London wird keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr erhalten. Das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. So sehr Charlies Eltern Connie Yates und Chris Gard auch für das Leben ihres zehnmonate alten Sohnes kämpften, mussten sie das niederschmetternde Urteil akzeptieren. Es wird keine weitere Behandlung mehr für ihr einziges Kind geben. Charlie wird sterben. Der einzige Trost, der der Familie bleibt: Dem kleinen Helden wurde ein 'Aufschub' gewährt. Charlies Familie darf sich nun etwas länger von dem Jungen verabschieden als geplant.

"Sie haben zugestimmt, uns noch ein bisschen mehr Zeit mit Charlie zu geben"

Das von der Familie zur Verfügung gestellte undatierte Foto zeigt das Baby Charlie Gard in der Kinderklinik Great Ormond Street Hospital in London. Die lebenserhaltenden Maßnahmen für das schwerkranke Baby Charlie sollen am 30.06.2017 einge
Baby Charlie im Krankenhaus
lof, dpa, Uncredited

Die Nachricht, dass Charlie Gard noch ein wenig mehr Lebenszeit bekommen würde, gab das Krankenhaus Great Ormond Street in London bekannt, in dem der unheilbar kranke Junge bereits seit sechs Monaten liegt.

Ursprünglich sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen nach Angaben der Eltern bereits am 30.06.2017 eingestellt werden. "Wir haben heute Gespräche mit Great Ormond Street geführt und sie haben zugestimmt, uns noch ein bisschen mehr Zeit mit Charlie zu geben", schrieb Charlies Mutter Connie Yates überraschenderweise auf ihrer Facebookseite. "Bitte respektiert unsere Privatsphäre, während wir und darauf vorbereiten, uns für immer von unserem Sohn Charlie zu verabschieden."

Charlies Eltern waren Anfang der Woche mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg endgültig gescheitert. Sie wollten das Kind für eine experimentelle Therapie in die USA bringen. Die britischen Ärzte, die den Jungen bisher behandeln, sind aber überzeugt, dass die Therapie nicht helfen würde, weil Charlie bereits irreparable Schäden am Gehirn erlitten habe. Der zehn Monate alte Junge hat eine seltene genetischen Erkrankung. Die Ärzte forderten deshalb, die Behandlung einstellen zu dürfen. Sie fürchten, dass Charlie unnötig leidet.

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Charlie leidet an einem seltenen Gendefekt

Charlie aus England liegt durch einen geerbten Gendefekt mit schlimmen Gehirnschäden in einem Krankenhaus in London. Er leidet an mitochondrialer Myopathie. Diese seltene Erkrankung führt bei den Betroffenen neben den Hirnschäden, auch zu Muskelschwund. Nur Maschinen erhalten das zehn Monate alte Baby noch am Leben. Doch auch wenn britische Ärzte dem Kleinen keine Chance auf Heilung mehr gaben, hofften seine Eltern auf eine ganz bestimmte Therapie in den USA. Für die Behandlung hatten die Eltern über eine Millionen britische Pfund über eine Internetplattform gesammelt.

Bereits im April entschied das Gericht in Großbritannien, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden sollten. Die Klage der Eltern gegen die Entscheidung der Mediziner blieb in Großbritannien erfolglos. Der Menschenrechtsgerichtshof beanstandete dies nicht. Nationale Stellen hätten einen weiten Einschätzungsspielraum im Bereich der experimentellen Medizin für Todkranke und in Fällen, in denen es um sensible moralische und ethische Fragen gehe. Die britischen Gerichte hätten den Fall zudem akkurat und sorgfältig geprüft.