Glyphosat: Pflanzenschutzmittel in Windeln und Wattepads nachgewiesen

17. Mai 2016 - 7:51 Uhr

Glyphosat in Watte: "RTL Nachtjournal" weist Rückstände des Pflanzenschutzmittels nach!

Glyphosat taucht bereits seit Monaten immer wieder in den Schlagzeilen auf. Nachdem Rückstände des Pflanzenschutzmittels bereits in Brot, Brötchen, Wein und Bier nachgewiesen wurde, entdeckten argentinische Forscher Glyphosat nun auch in Watteprodukten. Doch sind auch deutsche Produkte betroffen? Das wollte das "RTL Nachtjournal" wissen. Dazu hat das Team eine kleine, nicht repräsentative Auswahl an Wattepads, Windeln und Tampons in mehreren Drogerien verschiedener Ketten eingekauft und in einem unabhängigen Prüflabor auf Glyphosat untersuchen lassen. Das Ergebnis: In zwei von drei untersuchten Wattepads wurden Rückstände von Glyphosat und seinem Hauptabbauprodukt AMPA gefunden, genauso in einer von drei Windeln. In den Tampons fanden sich keine Rückstände.

Der Lebensmittelchemiker Dr. Benno Zimmermann (Institut Kurz) zum Ergebnis: "Mich hat es überrascht, dass wir Glyphosat gefunden haben, denn die Baumwolle wird über viele Schritte weiterverarbeitet. Was wir gefunden haben, würde teilweise die Grenzwerte für Lebensmittel übersteigen." Doch der Lebensmittelchemiker erklärt, dass man zwischen Lebensmitteln und Kosmetikprodukten entscheiden müsse: "Ein Wattepad verzehrt man nicht, deswegen kann man diese Grenzwerte nicht anwenden. Man weiß nicht, wie viel geht auf die Haut über. Weil es keine Grenzwerte gibt, können wir es nicht wirklich beurteilen, aber wir wissen, es ist da und man muss es sich genauer ansehen."

Die gefundenen Mengen sind nicht groß, aber dennoch bedenklich

Die gefundenen Mengen sind gering, dennoch beurteilt der Fach-Toxikologe Wolfgang Reuter (Fachbüro für Toxikologie in Freiburg) gerade die Glyphosat-Werte in den Windeln als bedenklich: "Glyphosat wird über die Haut in sehr geringen Mengen aufgenommen, das sind zumindest die Ergebnisse aus den Tierversuchen bis zu 28 Tage, aber Windeln werden wesentlich länger getragen."

Damit ist Glyphosat in noch mehr Produkten, mit denen wir im Alltag in Berührung kommen als bislang angenommen. Zuletzt wurde Glyphosat in Bier gefunden. Das Pflanzenschutzmittel wird flächendeckend in der Landwirtschaft, auf Feldern und auch im Baumwollanbau eingesetzt. Länder, Behörden und selbst Wissenschaftler sind sich uneinig, wie gefährlich Glyphosat ist. Die Entscheidung, ob es für weitere 15 Jahre in der EU zugelassen wird, steht daher noch immer noch aus.

Fach-Toxikologe Reuter äußerte gegenüber dem "RTL Nachtjournal": "Wir dürfen uns bei Glyphosat eigentlich keine weitere Aufnahme mehr leisten. Die internationale Krebsforschungsbehörde der Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, dass Glyphosat sowohl gentoxisch ist, das heißt giftig für das Erbgut, als auch krebserzeugend ist. Bei dieser Kombination kann man keine sicheren Grenzwerte festsetzen und deshalb ist Glyphosat nicht weiter zulassungsfähig."

Die Hersteller der untersuchten Watteprodukte halten die gefundenen Werte insgesamt für unbedenklich. Die dm-Geschäftsführung schrieb auf Nachfrage des "RTL Nachtjournals": "Wir arbeiten auf allen Produktionsstufen der von Ihnen genannten Produkte unserer Eigenmarken intensiv daran, eventuelle Pestizidspuren so weit wie möglich zu minimieren, bzw. gänzlich auszuschließen. In diesem Kontext werden regelmäßige Analysen von unabhängigen Institutionen durchgeführt. Selbstverständlich nehmen wir die aktuelle Diskussion zum Anlass, die gesamte Wertschöpfungskette sowie unsere Kontrollmechanismen weiter zu verbessern, um auch minimale Spuren von Glyphosat in unseren Produkten zukünftig möglichst ausschließen zu können."