Glyphosat: Europäische Chemikalienagentur stuft den Unkrautvernichter als nicht krebserregend ein

Der Unkrautvernichter Glyphosat bleibt weiterhin umstritten.
Der Unkrautvernichter Glyphosat bleibt weiterhin umstritten.
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21. März 2017 - 16:25 Uhr

EU-Kommission verlängerte Zulassung noch im letzten Sommer

Ein neues Gutachten stuft den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat nicht als krebserregend ein. Das teilte die europäische Chemikalienagentur 'Echa' in Helsinki mit. Im vergangenen Sommer hatte die EU-Kommission entschieden, dass das Mittel bis Ende 2017 zugelassen bleibt, weil sich die EU-Länder nicht über ein Verbot hatten einig werden können. Nun wird auf Grundlage des 'Echa'-Gutachtens in einigen Monaten erneut entschieden.

Einschätzung von Pestiziden steht in der EU schon länger in der Kritik

Natur- und Umweltschutzverbände reagierten mit Empörung auf das 'Echa'-Gutachten. 'BUND' sieht das Gutachten kritisch und wirft der europäischen Behörde eine "unglaubliche Ignoranz gegenüber den Gesundheitsrisiken des Wirkstoffes" vor. Ähnlich hielt es Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von 'Greenpeace', in einem Bericht der 'Neuen Osnabrücker Zeitung': "Mit ihrer Einschätzung, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, ebnet die 'Echa' der chemischen Industrie den Weg, Europas Bevölkerung weiterhin als Versuchskaninchen zu missbrauchen".

Fast gleichzeitig zur Zustimmung der Behörde kamen in den USA schwere Vorwürfe gegen 'Monsanto' auf: Der Konzern soll laut eines Berichts der 'New York Times' insgeheim an mehreren Studien, die das Pestizid als nicht krebserregend einstufen, mitgearbeitet haben und Einfluss auf vermeintlich unabhängige Wissenschaftler gehabt haben. Die Zeitung stützt sich dabei auf verschiedene E-Mails, die im Zuge des Gerichtsverfahrens der Non-Hodgkin-Lymphom-Erkrankten gegen 'Monsanto' veröffentlicht wurden. In einer offiziellen Stellungnahme widersprach der US-Konzern den Anschuldigungen.

Pestizid bedroht Artenvielfalt

Allein in Deutschland werden laut Umweltschutzorganisation 'Greenpeace' jährlich 6.000 Tonnen Glyphosat verkauft. Seit 1974 wird das Pestizid hierzulande vor der Aussaat auf Äcker gesprüht, um ungewünschtes Unkraut zu vernichten.

Seit jeher werden dem Unkrautvernichter allerdings weitreichende negative Folgen nachgesagt. Einer dieser Nebeneffekte gilt laut des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland 'BUND' bereits als bewiesen: Die Bedrohung der Artenvielfalt. Wind und Regen sorgen dafür, dass sich das auf den Feldern verwendete Pestizid auf die umliegende Natur ausbreitet, eine Kettenreaktion wird ausgelöst: Pflanzen, die als Nahrung für Insekten dienen, werden durch das Glyphosat zerstört. Das führt zu einer Dezimierung der Insekten-Population, was wiederum Vögeln die Nahrungssuche erheblich erschwert.

Doch nicht nur für die Tiere, sondern auch für den Menschen könnte das Mittel einen mehr als bitteren Beigeschmack haben: Die an der Ernte zurückbleibenden Rückstände des Unkrautvernichters wurden in der Vergangenheit immer wieder als möglicherweise krebserregend eingestuft. In den USA klagten bereits mehrere Menschen gegen den Glyphosat-Hersteller 'Monsanto': Sie machen das Glyphosat dafür verantwortlich, dass sie am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Krebserkrankung des Lymphsystems, leiden.