Glühbirne ade: Energiesparlampen werden deutlich teurer

Parallel zum Verbot der 60-Watt-Glühbirne steigen die Preise für Energiesparlampen.
© dpa, Tim Brakemeier

01. September 2011 - 17:40 Uhr

Abzocke oder reiner Zufall?

Ob das wirklich nur ein Zufall ist? Parallel zum Verbot der 60-Watt-Glühbirne steigen die Preise für Energiesparlampen - und das um bis zu 25 Prozent! Sowohl Leuchtmittelhersteller Osram, als auch der niederländische Konzern Philips betonen zwar, Hintergrund sei nicht das Glühbirnenverbot sondern ein explosionsartiger Anstieg der Rohstoffpreise, dennoch deutet vieles auf Verbraucher-Abzocke hin.

"Seltene Erden sind in den vergangenen zwölf Monaten um 700 Prozent teurer geworden", sagte Osram-Sprecher Stefan Schmidt. Es handelt sich dabei um Metall-Rohstoffe mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Diese machen sie unentbehrlich für die Herstellung vieler Hightech-Produkte. Bis zu 97 Prozent der weltweiten Förderung und des Angebots kommen aus China, das aber den Export künstlich drosselt und damit auch den Ärger der Welthandelsorganisation auf sich zieht.

Auch Philips-Sprecher Steve Klink betonte, einen Zusammenhang zwischen Preiserhöhung und Glühbirnenverbot gebe es nicht. Philips-Chef Frans van Houten habe bereits Mitte Juli bei der Vorstellung der Unternehmensbilanz für das zweite Quartal deutlich gemacht, dass angesichts steigender Kosten für Rohstoffe die Preise weltweit erhöht werden. So würden zum Beispiel auch Kunden in den USA künftig etwa bis zu einem Viertel mehr für Energiesparlampen hinlegen müssen.

Umstieg rechne sich weiterhin - auch bei Preiserhöhungen

"Der Zeitpunkt ist doch sehr ungünstig gewählt", sagte Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. "Da drängt sich der Verdacht auf, dass hier die Verbraucher abgezockt werden sollen." Sie sprach sich für ein umfassendes Recycling-System für Energiesparlampen aus. Die Rücknahme der Lampen, die auch giftiges Quecksilber enthalten, sei immer noch nicht klar geregelt.

Für die Produktion der Leuchtmittel würden vor allem Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium aus der Gruppe der seltenen Erden benötigt, so Schmidt. Den Kunden seien die Preiserhöhungen schon vor einigen Wochen angekündigt worden. Ob und wie stark sie an die Verbraucher weitergegeben würden, liege allerdings beim Handel. Der Möbelkonzern Ikea und die Baumarktkette Praktiker erklärten auf Anfrage, sie planten vorerst keine Preiserhöhungen.

Ab heute dürfen EU-weit keine herkömmlichen Glühbirnen mit mehr als 40 Watt in den Handel kommen. Dadurch dürfte die Nachfrage der Verbraucher nach Energiesparlampen deutlich ansteigen. Befürworter hatten bisher argumentiert, die wesentlich teureren Energiesparlampen wären nicht nur effizienter, sondern aufgrund ihrer längeren Haltbarkeit unterm Strich auch günstiger für die Verbraucher. Die Stiftung Warentest teilte mit, der Umstieg rechne sich weiterhin - auch bei Preiserhöhungen. Allerdings halten Kritiker dagegen, dass dies auf viele Haushalte nicht zutrifft - gerade wenn Lampen meistens nur kurz eingeschaltet werden.