Globaler Yoga-Tag: Die Welt verrenkt sich

22. Juni 2015 - 8:05 Uhr

Noch nie haben so viele Menschen gemeinsam Yoga-Übungen gemacht

Heute ist es so weit: Am ersten Welt-Yoga-Tag werden sich Menschen aus aller Welt gemeinsam kräftigen und verrenken. Im Herzen der indischen Hauptstadt Delhi werden 45.000 Menschen an der größten Yoga Sitzung aller Zeiten teilnehmen. Am Times Square in New York werden 30.000 Yogis erwartet. Insgesamt sind in 192 Ländern Veranstaltungen geplant.

Yoga für alle
Soldaten der indischen Armee wurden von der Regierung dazu aufgefordert, sich auf den Welt-Yoga-Tag vorzubereiten
© dpa, Sanjeev Gupta

Yoga ist eine 5.000 Jahre alte körperliche, mentale und spirituelle Praxis, die das Ziel hat, Körper und Geist zu verbinden. Indien, das Herz der Yogapraxis, hatte die Idee, diese Tradition mit einer internationalen Feier zu ehren. Die Vereinten Nationen stimmten dem Vorschlag mit großer Mehrheit zu und erklärten den 21. Juni, den Tag der Sommersonnenwende, zum Welt-Yoga-Tag.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon wird an einer Veranstaltung in New York teilnehmen. Er hatte zuvor die Menschen aus aller Welt dazu aufgerufen, an diesem besonderen Event teilzunehmen. Frieden, Gesundheit und Würde, Grundwerte des Yoga, stimmen laut Ban mit den Prinzipien der UN überein. "Beim Yoga wird nicht diskriminiert", sagte der 71-jährige Südkoreaner bei einem Besuch in Indien. "Jeder, unabhängig von Kraft, Alter und Herkunft, kann teilnehmen. Ich habe es selbst erlebt. Am Anfang war es schwer, meine Balance zu finden, aber dann habe ich sehr schnell die einfache Zufriedenheit schätzen gelernt, die Yoga jedem schenkt."

Wer beim ersten Welt-Yoga-Tag dabei sein will, muss nicht extra nach Indien reisen. Rund um den Globus finden am Sonntag kostenlose öffentliche Veranstaltungen statt. Auch zahlreiche Yoga Studios nehmen an der Aktion teil. Das Motto lautet: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Los geht's in vielen Städten bei Sonnenaufgang mit dem Sonnengruß. In Berlin ist das um 4.43 Uhr. Doch auch über den Tag hinweg gibt es immer wieder Gruppenveranstaltungen und kostenlose Angebote.

Das Highlight des Tages heißt 'Heart of the World': eine weltweite Gruppenmeditation um 16.22 GTM, also 18.22 Uhr, in Deutschland. Sieben Minuten lang werden Menschen aus aller Welt innehalten, um für Frieden und den Schutz des Planeten zu meditieren. In Berlin wird die 'Heart oft he World'-Meditation vor dem Brandenburger Tor stattfinden. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 1.000 Teilnehmern. Start ist 18.30 Uhr.

Nicht alle freuen sich über die Yoga-Party

Internationaler Welt-Yoga-Tag
Das offizielle Logo der Veranstaltung

Neben all der Begeisterung wird auch Kritik laut. Kritiker werfen Indien einen außenpolitischen PR-Coup vor, der lediglich dazu diene, das Land besser dastehen zu lassen. Der Vorschlag zum Welt-Yoga-Tag wurde maßgeblich von Indiens Premierminister Narendra Modi unterstützt und vorangetrieben. Modi und seine Hindu-Partei forderten nicht nur Schulen, sondern auch Polizisten und Spitzenpolitiker zur Vorbereitung und Teilnahme auf.

Modis globale Yoga Vision stößt längst nicht überall auf Zustimmung. Ein Großteil der muslimischen Gemeinschaft, die etwa 15 Prozent der indischen Bevölkerung ausmacht, fühlt sich ausgeschlossen. Während Yoga in der westlichen Welt hauptsächlich als Fitnesstrend wahrgenommen wird, ruft die Tradition in Indien durchaus religiöse Assoziationen hervor.

"Wir verstehen nicht, wie die UN diesem Vorschlag zustimmen konnten", sagt Abdul Rahim Qureshi, Sprecher des 'All India Muslim Personal Law Board' im Gespräch mit CNN. "Ein wahrer Moslem kann kein Yoga machen. Die Regierung darf die nicht-Hindus nicht zur Teilnahme zwingen."

Diskussionen kommen auch dann auf, wenn es darum geht, wer das Recht hat, grundlegende Techniken und Werte zu adaptieren und zu verändern. Zweifellos kommt Yoga ursprünglich aus Indien, doch das Yoga, was die meisten kennen und praktizieren, ist eine westliche Variante. Noch vor wenigen Jahren als Esoterik belächelt, hat sich Yoga zu einem Massenphänomen und Volkssport entwickelt.

Das 'Wall Street Journal' schätzt den Wert der Yoga-Industrie auf 42 Milliarden Dollar. Immer mehr Marken spezialisieren sich auf Yoga-Produkte, -Kurse und -Reisen. Die kanadische Firma 'Lululemon' sticht besonders hervor. Allein mit dem Verkauf von Yogamatten und Klamotten setzt sie jährlich fast 1,8 Milliarden Dollar um. In Berlin gibt es inzwischen mehr als 200 Yoga Studios, nicht eingerechnet sind Kurse im Fitnessstudio und im Sportverein.

Doch mit genau diesem Streben nach Gewinn hat Yoga eigentlich gar nichts zu tun, weshalb die Kommerzialisierung besonders in Indien verbittert verfolgt wird. Das Land hat es sich zur Aufgabe gemacht, Yoga als nationales Gut zurückzugewinnen, um es mit dem traditionellen Gedankengut wieder zu verbreiten. Der Welt-Yoga-Tag könnte der erste Schritt dazu sein.