Besser als letztes Jahr, aber schlechter als 2006

Gleichberechtigung in Deutschland macht Fortschritte

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17. Dezember 2019 - 8:21 Uhr

Global Gender Gap 2019 untersucht Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen

Deutschland macht Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung. Das hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) am Dienstag bekannt gegeben. 2019 habe es bei uns mehr Frauen in der Politik gegeben, allerdings immer noch zu wenige in der Wirtschaft. Im weltweiten Vergleich hat Deutschland vier Plätze gut gemacht und ist nun Zehnter. Beim ersten Ranking 2006 stand die Bundesrepublik noch auf Platz 5.

Gleichberechtigung erst in einem Jahrhundert abgeschlossen

Auch wenn wir in diesem Jahr vier Plätze gut gemacht haben, ist laut WEF noch einiges zu tun. In den Bereichen Bildung und Gesundheit sei die Gleichberechtigung hierzulande fast vollständig erreicht. Bei Gehältern und Managementpositionen müsse die Geschlechterlücke zwischen Männern und Frauen aber noch geschlossen werden. 

Insgesamt werde es beim aktuellen Tempo noch etwa ein Jahrhundert dauern, bis die Gleichberechtigung weltweit abgeschlossen ist, so das WEF. "Das ist ein Zeitrahmen, den wir in der globalisierten Welt einfach nicht akzeptieren können", erklärte WEF-Gründer Klaus Schwab.

Ziele: Geringere Gehaltslücke und längere Elternzeit für Väter

Vor allem wegen einer stärkeren politischen Beteiligung von Frauen ist die Gleichberechtigung in Deutschland nach Ansicht des WEF vorangekommen. Dazu trage auch bei, dass mit Kanzlerin Angela Merkel weiter eine Frau an der Regierungsspitze steht. Mittlerweile seien 40 Prozent der Ministerposten in Bund und Ländern mit Frauen besetzt, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Studie. Weiterhin seien aber nur 30,9 Prozent der Parlamentarier Frauen.

Groß seien nach wie vor die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hierzulande in der Wirtschaft: Dafür sei eine schnelle Reduzierung der Gehalts- und Einkommenslücke notwendig, forderte das WEF. Auch eine längere Elternzeit für Väter würde zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen.

Island auf Platz 1

Das WEF prüfte für ihre Studie zur "Global Gender Gap 2019" 153 Staaten in vier Bereichen: Wirtschaft - etwa Gehälter und Chancen auf Führungspositionen, Zugang zu Bildung, politische Mitwirkungsmöglichkeiten sowie Gesundheit. Island landete zum elften Mal in Folge auf Platz 1. Norwegen und Finnland wurden Zweiter und Dritter. Auch Schweden, Nicaragua, Neuseeland, Irland, Spanien und Ruanda schnitten im weltweiten Vergleich besser ab als Deutschland.

Die größten Probleme gebe es weiter in der Politik, auch wenn die Zahl der weiblichen Abgeordneten in vielen Ländern zugelegt habe. Auch in der Wirtschaft und bei der Bildung gebe es Aufholbedarf. So stagniere der Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt: Lediglich gut die Hälfte (55 Prozent) der erwachsenen Frauen habe einen Job, bei den Männern seien es mehr als drei Viertel (78 Prozent). Auch die Gehalts- und Einkommenslücke bleibe groß. Weltweit seien zehn Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren Analphabeten, vor allem in Entwicklungsländern.