'Global Family Reunion': Riesen-Familientreffen auf der Spur unserer Ahnen

Bestsellerautor AJ Jacobs rief für das 'Riesen-Familientreffen' bei George Bush senior an und gab sich als dessen Cousin aus.
Bestsellerautor AJ Jacobs rief für das 'Riesen-Familientreffen' bei George Bush senior an und gab sich als dessen Cousin aus.
© dpa, Julie Jacobs

06. Juni 2015 - 8:20 Uhr

"Wir können zeigen, dass wir alle Teil derselben Familie sind"

Das größte Familientreffen aller Zeiten – das will AJ Jacobs mit der 'Global Family Reunion' in New York realisieren. Der Bestsellerautor ('Die Bibel & ich', 'Britannica & ich') rief dazu sogar bei dem ehemaligen US-Präsidenten George Bush senior an und versicherte dessen Sekretärin glaubhaft, ein Cousin ihres Chefs zu sein. Der Ex-Präsident fand den Trick offenbar lustig und sagte prompt für die Aktion zu. "Wer kann seinem Cousin schon einen Wunsch abschlagen?", fragt Jacobs schmunzelnd.

Natürlich ist Jacobs kein verschollener Cousin von Bush. Doch ganz falsch ist die Behauptung des Schriftstellers nicht. Hintergrund der Idee zum Familientreffen ist nämlich folgende wissenschaftliche Erkenntnis: Rund 99,9 Prozent der DNA sind bewiesenermaßen bei allen Menschen identisch. Verwandtschaftsverhältnisse sind über große Entfernungen möglich. Jacobs selbst ist angeblich über einige Ecken mit dem amtierenden US-Präsidenten Barack Obama, Johann Wolfgang von Goethe und Albert Einstein verwandt.

Die Idee zur 'Global Family Reunion' kam Jacobs, nachdem er eine E-Mail von einem Unbekannten erhalten hatte. "Darin stand: Hey AJ, Du kennst mich zwar nicht, aber ich bin dein Cousin zwölften Grades", erzählt der 47-Jährige. "Ich war davon überzeugt, dass am Ende der Nachricht die Aufforderung stehen würde, ich solle Geld auf ein Bankkonto in Nigeria überweisen." Doch weit gefehlt: Der Absender der Nachricht ist Gründer einer Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Menschen dieser Erde in einem einzigen Stammbaum zu erfassen. "Ich habe mich sofort in diese Idee verliebt, weil wir zum ersten Mal zeigen können, dass wir alle Teil derselben Familie sind", so Jacobs. "Wenn wir alle merken, dass wir miteinander verwurzelt sind, behandeln wir uns gegenseitig vielleicht besser."

"Familie ist nicht nur ein genealogisches Phänomen"

Doch die globale Riesenfamilie hat auch ihre Schattenseiten: Wer will schon mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un verwandt sein? "Natürlich könnte es auch sein, dass Kim Jong Un mein böser Onkel ist", sagt Jacobs. "Aber das Böse kommt mit dem Guten. Vielleicht erreicht ja auch ihn die Idee und er stellt fest, dass er aufhören sollte, ein Idiot zu sein."

An dem Treffen nimmt auch der Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände, Dirk Weissleder, teil. "Die Idee an sich ist toll und ich verspreche mir von der Aktion, dass in der Öffentlichkeit ein breiteres Interesse für die Genealogie entsteht", sagt der 46-Jährige. "Dennoch muss man das realistisch sehen: Manche Verbindungen sind einfach nicht belegbar, weil es keine Quellen gibt." Dazu kommt, dass der Genealogie Grenzen gesetzt sind. "Familie ist nicht nur ein genealogisches Phänomen, sondern auch ein soziales", sagt Weissleder. "Nur weil jemand beispielsweise adoptiert ist, heißt das nicht, dass er nicht Teil einer funktionierenden Familie sein kann."

Die Veranstaltung findet in der New York Hall of Science statt und kann für 30 Dollar besucht werden. Die Website zur Aktion kündigt diverse Aktivitäten für das Familientreffen an – darunter Vorträge über Genealogie (Familiengeschichtsforschung) und DNA-Forschung, Konzerte, Sport und Spiele. Neben Bush senior unterstützen zahlreiche andere Prominente das Projekt, wie Schauspieler Daniel Radcliffe ('Harry Potter'), Rapper Ludacris und Dokumentarfilmer Morgan Spurlock ('Super Size Me').