Glitzer-Metropole Hongkong: Hunderttausende Chinesen wohnen im Käfig

25. Februar 2013 - 12:08 Uhr

125 Euro im Monat für das Leben hinter Gittern

Voller Armut, voller Scham: In heruntergekommenen Hochhäusern wohnen in Hongkong hunderttausende der sogenannten Käfigmenschen. Denn jedes Jahr ziehen 50.000 reiche Festland-Chinesen zu und treiben die Mietspreise ins Unermessliche.

Hongkong, China
Dieser Chinese wohnt in einem Käfig.

Umgerechnet 300.000 Euro für eine winzige Ein-Zimmer-Wohnung, das kann sich ein Normalverdiener in einer der reichsten Städte der Welt nicht leisten. 125 Euro Miete im Monat kostet das Leben hinter Gittern, auf zwei Quadratmetern. Übereinander, nebeneinander.

"Unter normalen Umständen ist es unmöglich hier zu leben. Aber die meisten Leute wie ich wohnen hier, weil die Miete günstig ist", sagt Yu Wai-Cha, Gelegenheitsarbeiter auf Hongkongs Gemüsemärkten. Ein Bett passt in sein Zimmer, und ein Fernseher, der sein Fenster zur Welt ist. Denn ein richtiges hat er nicht. Er müsse hier wohnen, weil man ihn in aller Herrgottsfrühe brauche, sagt Wai-Cha. Da könne er nicht noch weit fahren.

Quadratmeter teurer als in Luxusvilla

Wie Wai-Cha lebt jeder Siebte in Hongkong in Armut, ohne ein eigenes Bad und eine eigene Küche. "Wenn Sie den Quadratmeterpreis ausrechnen, dann ist das hier teurer als in jeder Luxusvilla. Das ist so blamabel für Hongkong, das ist so eine reiche Gesellschaft", sagt die Sozialarbeiterin Sze Lai-Shan.

Das soziale Gefälle in Hongkong wird immer größer. Auf der Straße demonstriert der Mittelstand für bezahlbare Wohnungen. Die Immobilien-Preise explodieren. Menschenunwürdig finden auch viele Politiker die Situation der Käfigmenschen. Doch etwas zu ändern sei schwierig. Schließlich profitiere die Stadt von den Reichen. Für Menschen wie Wai-Cha bleibt da nicht viel. Das Versprechen vom guten Leben wird sich wohl für ihn so schnell nicht erfüllen.