Ein Paar zieht vor Gericht

Gleichgeschlechtliche Eltern kämpfen um Anerkennung: "Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß"

13. Januar 2021 - 20:24 Uhr

Familienglück wird zum Bürokratie-Akt

Ein Kind macht bekanntlich das Familienglück perfekt. Doch ganz so ist es bei den frisch gebackenen Mamis Lydia und Dehlia aus Hannover nicht. Denn nur eine der beiden Frauen darf die rechtliche Mutter sein. Die andere muss ihr eigenes Kind adoptieren. Ihre Geschichte ist kein Einzelfall – ein anderes Paar kämpft sogar vor Gericht gegen diese Form der Diskriminierung und für eine Reform des Abstammungsrechts. Wie Lydia und Dehlia mit ihrer schwierigen Situation umgehen, sehen Sie im Video.

Gleichgeschlechtliche Ehe ja, Kinder? Eher schwierig

Der 01.Oktober 2017 ist ein guter Tag für gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland – denn da trat das Gesetz für die gleichgeschlechtliche Ehe in Kraft. Doch wenn es um Nachwuchs geht, wird es vor allem lesbischen Paaren nicht leicht gemacht: Rechtlich gesehen haben Kinder dann nur einen Elternteil, die biologische Mutter. Würde der etwas passieren, wäre das Kind auf dem Papier ein Waisenkind – obwohl es noch eine zweite Mutter gibt.

Aktuell bleibt als Ausweg nur die sogenannte Stiefkindadoption – die kann frühestens acht Wochen nach der Geburt beantragt werden und kann bis zu einem Jahr beanspruchen. "Ich verstehe nicht, warum das Geschlecht eine so große Aussagekraft in dem Zusammenhang hat. Man muss das mal so sehen, wenn ich einen Mann hätte, könnte ich mit dem zum Standesamt gehen und ihn einfach als Vater eintragen lassen. Und es würde überhaupt keine Rolle spielen, ob er der biologische Vater ist oder nicht", erzählt Dehlia Lietzow im RTL Nord-Interview.

Das ist die Stiefkindadoption

Zuallererst muss der Samenspender der Adoption zustimmen. Erst dann kann der Antrag für die Stiefkind-Adoption beim Notar gestellt werden. Der Antrag geht dann ans Familiengericht. Das Gericht bittet dann das Jugendamt um Stellungnahme. Und um die erstellen zu können, stellt das Amt der Familie jede Menge Fragen, fordert Unterlagen ein und macht einen Hausbesuch.

Die fertige Stellungnahme geht dann zurück zum Familiengericht und das entscheidet dann endgültig über das Familienglück. "Man sieht einfach, dass das eigentlich eine Stiefkindadoption ist für Paare, die ein erwachsenes Kind haben und wo sich ein Elternteil von dem anderen getrennt hat. Also das ist nicht mehr zugeschnitten auf uns. Auf unsere gleichgeschlechtliche Beziehung, wo ein Kind in unsere Beziehung hineingeboren wird, als Wunschkind. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß", meint Lydia Waldmann.

In der Geburtsurkunde fehlt ein Name

Gesa Teichert-Akkermann (45) und Verena Akkermann (48) wollen diesen Bürokratie-Akt nicht einfach über sich ergehen lassen – und kämpfen mittlerweile vor dem Oberlandesgericht in Celle gegen die Diskriminierung.

Die beiden Frauen sind verheiratet, Anfang 2020 kommt Töchterchen Paula zur Welt. In der Geburtsurkunde ist nur Gesa Teichert-Akkermann als biologische Mutter eingetragen, Verena Akkermann als zweite Mutter fehlt hingegen. Um darauf aufmerksam zu machen, machen sie ihre Sache öffentlich. Inzwischen haben sie unter dem Hashtag #PaulaHatZweiMamas viele Unterstützer gefunden.

Kampf vor Gericht

Ihr Fall wird am Mittwoch in Celle verhandelt. Zuvor wurden der Deutsche Presse-Agentur zufolge Anträge auf Eintragung von Verena Akkermann als zweite Mutter in der Geburtsurkunde und auf gerichtliche Feststellung eines Eltern-Kind-Verhältnisses an den Amtsgerichten in Hildesheim und Hannover abgewiesen. Ein Sprecher des Oberlandesgerichts sagt, dass es sich um eine nicht-öffentliche Anhörung per Video handele. Eine Entscheidung des Familiensenats werde erst in zwei bis drei Wochen erwartet.

Sollte auch diese Klage abgewiesen werden, wollen die beiden Mütter weiter für ihre Sache kämpfen – wenn es sein muss, möglicherweise sogar mit einer Verfassungsbeschwerde.