Gleiche Bezahlung

Bundesarbeitsgericht stärkt Rechte von Frauen

22. Januar 2021 - 9:31 Uhr

Im Video: Anwalt der Klägerin erklärt Bedeutung des Urteils für Frauen

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat die Rechte von Frauen, die auf gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen pochen, gestärkt. Der Arbeitgeber muss jetzt bei einem nachgewiesenen Gehaltsunterschied beweisen, dass er Frauen nicht diskriminiert. RTL hat mit dem Anwalt der Klägerin gesprochen. Im Video erklärt er, welche Bedeutung das Urteil für Arbeitnehmerinnen hat.

Auskunftsanspruch nach Entgelttransparenzgesetzes

Nach der Entscheidung der höchsten deutschen Arbeitsrichter reicht bei einer nachgewiesenen Differenz zum Vergleichsentgelt von Männern mit vergleichbarer Arbeit die Vermutung, dass die finanzielle Benachteiligung wegen des Geschlechts erfolgte (8 AZR 488/19). Allerdings könnte diese Vermutung vom Arbeitgeber jederzeit auch widerlegt werden, heißt es in einer Entscheidung des Achten Senats. Der Arbeitgeber ist dann aber in der Beweispflicht.

Geklagt hat eine Abteilungsleiterin aus Niedersachsen. In ihrem Fall lag das Vergleichsentgelt ihrer männlichen Kollegen sowohl beim Grundentgelt als auch bei der Zulage höher als ihr Entgelt. Die Vorinstanzen hatten unterschiedlich zu ihrer Klage entscheiden.

Das Vergleichsentgelt (Median-Entgelt) muss nach den Regeln des Entgelttransparenzgesetzes ermittelt werden. Es räumt Arbeitnehmern einen Auskunftsanspruch ein.

Fest steht: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Mit einem "Gender Pay Gap" von 19 Prozent, liegt Deutschland im europaweiten Vergleich sogar auf den letzten Plätzen

Nach Meinung des kommissarischen Leiters der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, erleichtert das höchstrichterliche Urteil juristische Verfahren bei Entgeltdiskriminierung. Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts kehre sich die Beweislast um. Arbeitgeber müssten nachweisen, nicht zu diskriminieren, erklärte Franke. Betroffene hätten es in der Vergangenheit schwer gehabt, gegen eine schlechtere Bezahlung wegen ihres Geschlechts vorzugehen.

Quelle: DPA / RTL.de