Glawe stellt Landeshilfe für Gießerei in Aussicht

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) mit Peter Krumhoff, Geschäftsführer der Eisengießerei Torgelow. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
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16. Juli 2020 - 15:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hat der angeschlagenen Eisengießerei Torgelow (EGT) GmbH Landeshilfe in Aussicht gestellt und zu einem "Runden Tisch" nach Schwerin geladen. Daran sollten Gläubiger und auch große Auftraggeber wie Siemens teilnehmen, erklärte Glawe am Donnerstag nach einem Treffen mit der Geschäftsführung in Torgelow (Vorpommern-Greifswald). Wegen drohender Zahlungsprobleme hatte die Gießerei am Montag "Insolvenz in Eigenverwaltung" beantragt. Das sei auch eine Chance, sich neu aufzustellen, sagte Glawe.

Die Gießerei hat eine lange Tradition, rund 320 Mitarbeiter und gilt als wichtiger industrieller Kern im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Die Produktion läuft zunächst weiter. Drei Monate soll Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur fließen. Das Land sitzt laut Minister auch im Gläubigerausschuss. Möglich seien Kredite oder eine Landesbürgschaft. Die Liquidität der Firma, deren Jahresumsatz mit rund 55 Millionen Euro angegeben wurde, sei bis Ende 2020 gesichert. Das gilt auch für die Auftragslage.

"Wichtig ist, alte Standbeine zu sichern und neue Geschäftsfelder zu erschließen", erklärte Glawe. Er forderte die Geschäftsführung auf, innerhalb von drei Monaten einen Sanierungsplan vorzulegen. Als Hintergrund der Insolvenz nannte die Geschäftsführung die auch durch die Corona-Krise ausgelöste Zurückhaltung bei Investitionen in Europa und weltweit, wodurch neue Aufträge ausbleiben und bestehende Aufträge verzögert würden.

Laut Geschäftsführer Peter Krumhoff entfallen etwa 80 Prozent des Umsatzes auf tonnenschwere Bauteile für Windkraftanlagen, wobei Siemens bisher etwa die Hälfte davon bestellt habe. Große Aufträge gab es für Großbritannien und die USA. Etwa "10 bis 15 Prozent" des Umsatzes entfielen auf Gussteile für große Motoren.

Die Gießerei arbeitet auch an andere Geschäftsfeldern, wie stabilen Behältern für Reste aus Kernkraftwerken, wie Krumhoff sagte. Probleme gebe es dabei mit den Zulassungsverfahren. Glawe regte an, dass sich Politiker dafür einsetzt, die Zulassungsverfahren EU-weit zu vereinheitlichen.

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) erklärte, dass die Gießerei auch für die geplante Energiewende eine wichtige Rolle habe. Daran sollte auch gedacht werden, wenn in Planungsverbänden über neue Windparkstandorte und Windräder diskutiert werde.

Torgelows parteilose Bürgermeisterin Kerstin Pukallus zeigte sich erfreut, dass die Landesregierung sich so schnell um die Gießerei kümmere. Von dem Betrieb hänge die Zukunft der Stadt und de Region ab. Die Beschäftigten fragen sich, was ein Sanierungskonzept für ihre Arbeitsplätze bedeutet. Viele Arbeiter seien 50 Jahre und älter. "Wir hoffen, dass eine Sanierung nicht dazu dient, sich einfacher von Beschäftigten zu trennen", erklärt ein älterer Gießer in der Kantine. Dort erinnert ein Fliesen-Wandbild an die DDR-Zeit, als bis zu 2000 Menschen von der Gießerei lebten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, der aus der Region stammt, betonte, dass diese Gießerei industriepolitisch besonders wichtig und in der Region "identitätsbildend" sei. Es war Amthors erster öffentlicher Auftritt seit seinem Rückzug als Kandidat für den CDU-Landesvorsitz nach Lobbyismus-Vorwürfen.

Quelle: DPA