11. April 2019 - 5:12 Uhr

Von Markus Heggen aus dem RTL-Hauptstadtstudio

Bilder verschicken per Whatsapp, Musik hören im Stream oder Videos auf Digitalplattformen angucken – dazu braucht man schnelles, stabiles Internet. Das gibt's in Deutschland immer noch nicht wirklich – und der Ausbau geht nur schleppend voran. Das zeigt eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung. Die Antwort mit den aktuellen Zahlen liegt RTL exklusiv vor.

Glasfaseranschluss? Bei der Mehrheit der Deutschen Fehlanzeige!

Glasfaserausbau in Rietberg-Mastholte Technik: Digitalisierung, Glasfaser, Glasfaserausbau in Rietberg-Mastholte am 09.04.2019. Leerrohre liegen im Erdreich. Rietberg-Mastholte Nordrhein-Westfalen Deutschland *** Glass fibre extension in Rietberg Mas
Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag das anspruchsvolle Ziel eines flächendeckenden Ausbaus mit Gigabit-Netzen bis 2025 gesetzt.
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Mitte letzten Jahres verfügten nur 8,5 Prozent der Häuser und Wohnungen in Deutschland über direkte Glasfaseranschlüsse. Von Mitte 2017 bis Mitte 2018 wurden nur weitere 483.900 Haushalte mit Glasfaser versorgt, das entspricht ca. 1,2 Prozent aller Haushalte.

Auf die Frage, wieviel Kilometer Glasfaserkabel im Jahr 2018 nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt, besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen, verlegt wurden, gab das Bundesverkehrsministerium an, keine eigenen Informationen zu haben.

Deshalb fordert Oliver Luksic, Sprecher für Digitale Infrastruktur der FDP-Bundestagsfraktion: "Der Bund kann nicht einmal Zahlen liefern, wie viele Kilometer Glasfaser verlegt sind. Wir müssen durch ein Gigabit-Grundbuch, in dem Glasfaserkabel verpflichtend verzeichnet werden, mehr Ausbaueffizienz und Transparenz gewährleisten. Dazu brauchen wir innovative Verlegemethoden wie das Trenching und eine Verlegung von Glasfaser direkt in jedes Haus und Unternehmen. Die künstliche Grenze von 50 Megabit pro Sekunde für staatliche Zuschüsse muss angehoben werden, digitale Zukunft braucht höhere Bandbreiten."

Deutschland gehört zu den Schlusslichtern in Europa

Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag das anspruchsvolle Ziel eines flächendeckenden Ausbaus mit Gigabit-Netzen bis 2025 gesetzt. Union und SPD erklärten im März letzten Jahres: "Wir wollen den Netzinfrastrukturwechsel zur Glasfaser. Unser Ziel lautet: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus. Schulen, Gewerbegebiete, soziale Einrichtungen in der Trägerschaft der öffentlichen Hand und Krankenhäuser werden wir bereits in dieser Legislaturperiode direkt an das Glasfasernetz anbinden." Das müsste dann bis Herbst 2021 umgesetzt sein, es bleiben nur noch zweieinhalb Jahre.

Skurriler Fall im Video: Nur das halbe Dorf bekommt schnelleres Internet

Der EU-Durchschnitt im Glaserfasernetzausbau lag Mitte 2017 bei 26,8 Prozent, so eine Studie im Auftrag der EU-Kommission. Während in Ländern wie der Slowakei, Rumänien und Lettland weit über 50 Prozent der Haushalte über Glasfaseranschlüsse verfügen, gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Deshalb fordert FDP-Mann Luksic von der Bundesregierung eine geordnete Breitbandstrategie. "Wir brauchen jetzt dringend einen Ausbauturbo und ein massives Investitionsprogramm statt Bremsen beim Ausbau, damit Menschen und Wirtschaft in unserem Land den digitalen Anschluss nicht verpassen. Die erforderlichen Mittel dafür sollten aus einen Verkauf der Unternehmensbeteiligung des Bundes an Deutscher Post und Telekom bereitgestellt werden."