Cookie Bros zeigt wie's geht

Glänzende Geschäfte durch TikTok: Start-up aus Köln verdreißigfacht Umsatz in 4 Wochen

Das Logo des chinesischen Videoportal Tik Tok wird auf einem Smartphone angezeigt.
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26. Juni 2020 - 15:53 Uhr

TikTok-Boom auch in Deutschland

Die Video-App TikTok wächst in rasantem Tempo und hat längst auch den deutschen Markt erobert. Firmen, die die Chance ergreifen, schwimmen auf der Erfolgswelle mit: Wie das Start-up Cookie Bros. Das Unternehmen zeigt, welche Chancen TikTok ermöglicht.

Startup verdreißigfacht Umsatz in nur vier Wochen

Mit diesem Erfolg haben die Geschäftsführer von Cookie Bros selber nicht gerechnet. Das Start-up aus Köln schaffte in der Corona-Krise, wovon andere Firmen derzeit nur träumen können: Innerhalb von nur vier Wochen haben sie ihren Umsatz verdreißigfacht. Der Keksteig zum Naschen in Eiscreme-Bechern ist so beliebt, dass sie mit der Produktion zeitweise kaum hinterherkamen. Mittlerweile verkaufen sie mehr als 300.000 Bechern pro Woche in deutschen Supermärkten. Wie sie das geschafft haben? Mit der Video-App TikTok.

Rasanter Zuwachs bei TikTok durch Corona-Krise

TikTok hat in der Corona-Krise abgeräumt. Die sowieso schon erfolgreiche chinesische Video-App hatte im Januar dieses Jahres 800 Millionen aktive Nutzer. Im März und April, als viele Menschen wegen der Pandemie zu Hause bleiben mussten, kamen nochmal 121 Millionen Nutzer dazu. Damit wurde TikTok zur am häufigsten heruntergeladenen App der Welt. Angefangen hat die App vor zwei Jahren mit Tanzvideos. Mittlerweile sind den Nutzern in ihrer Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt.

Hier erklären wir Ihnen, wie Sie ein TikTok-Profil einrichten und was Sie bei der Nutzung beachten sollten.

Das Potenzial der App haben jetzt auch immer mehr Firmen für sich erkannt. Schon lange nutzen Unternehmen soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook für Werbung. Cookie Bros hat gezeigt, dass es auf TikTok mindestens genauso gut geht – und sogar günstiger. Anfang des Jahres lösten sie einen regelrechten Hype aus. Das Start-up schickte seinen Keksteig zum Löffeln an ein paar ausgewählte sogenannte Content-Creator auf TikTok. Drei von ihnen, die regelmäßig Videos hochladen, schwärmten darin von dem Produkt. Der Erfolg war gigantisch: Innerhalb weniger Tage strömten Tausende App-Nutzer in Supermärkte, um den Keksteig zu kaufen.

Supermärkte riefen bei Cookie Bros an: "Halb verärgert, halb beeindruckt"

Das Problem: Den Keksteig konnte man noch gar nicht in allen Supermärkten finden. Cookie Bros machte sich das zum Vorteil, indem sie auf TikTok zu einer Challenge (Herausforderung) mit dem Hashtag #Cookiebros aufriefen: Alle sollten in lokalen Supermärkten nach dem Produkt zu fragen. Die Nachfrage war so groß, dass kurz darauf Filialleiter großer Supermarkt-Ketten bei dem Start-up anriefen und die Becher bestellten. "Halb verärgert, halb beeindruckt", erzählt Geschäftsführer Mark Mühürcüoglu RTL. Der Hashtag zeigte nach kurzer Zeit über 20 Millionen Einträge. "Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagt der gelernte Betriebswirt.

TikTok-Algorithmus begünstigt Newcomer

Für den Erfolg ist aber auch der Aufbau von TikTok verantwortlich: Dass ein neues Produkt so durchstarten kann, liegt an dem besonderen Algorithmus. In 15 bis 60 Sekunden langen Videos können Nutzer kreative und ausgefallene Clips erstellen und damit Millionen von Menschen erreichen. Wichtig ist dabei nicht die Follower-Zahl, wie bei Social-Media-Konkurrent Instagram, sondern wie gut das Video den Nutzern gefällt. Künstliche Intelligenz wertet dafür die Verweildauer der Nutzer, Likes und Kommentare der jeweiligen Videos aus. Je mehr Interaktion ein Clip erhält, desto mehr Menschen wird er in der App angezeigt. Ist ein Video besonders beliebt, können so schon mal 200 Millionen Klicks zusammenkommen. Wie bei TikTok-Star Younes Zarou.

TikTok-Nutzer werden immer älter

Der 22-jährige Informatik-Student aus Frankfurt sammelte über sieben Millionen Follower in nur zehn Monaten. "Es ist die Plattform der Stunde", sagt Zarou RTL. Das Wachstum ist riesig, die Reichweite extrem hoch. Höher als auf Instagram und Facebook, erklärt er. Wichtig sei dabei, dass "das Video unterhaltsam" sei. Plumpe, langweilige und offensichtliche Werbung komme überhaupt nicht gut an. Eine Shampoo-Flasche lächelnd in die Kamera halten, funktioniere bei der Generation Z nicht mehr. Die 10 bis 20-Jährigen, die die App hauptsächlich nutzen, erwarten mehr Kreativität. Schafft es eine Marke jedoch den richtigen Ton zu treffen, kann der Erfolg riesig sein.

Younes Zarou
Younes Zarou (22) aus Frankfurt hat bereits über sieben Millionen Follower bei TikTok.
© Younes Zarou

So wie bei Cookie Bros. Das Unternehmen weiß die Kaufkraft der jungen App-Nutzer nicht zu unterschätzen: "Kinder gehen ihren Eltern so lange auf den Keks, bis sie bekommen, was sie wollen", sagt Mühürcüoglu. Mittlerweile ist aber jeder Dritte TikTok-Nutzer über 25 Jahre alt. Lange werde es nicht mehr dauern, bis die Video-App in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, prophezeit auch Zarou. Und dann werden auch die Kosten für Werbung steigen.