Gladbeck-Geiselnehmer kommt vorerst nicht frei

14. August 2013 - 19:37 Uhr

Entlassungsvorbereitung soll beginnen

Der Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski kommt nach Angaben seiner Rechtsanwältin Lisa Grüter nicht kurzfristig aus der Haft frei. Die Anwältin teilte außerdem mit, dass das Landgericht Arnsberg deutlich gemacht hätte, "dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss. Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren." Degowski soll nun erst einmal auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden und könnte möglicherweise in zwei bis drei Jahren aus der Haft entlassen werden.

Degowski vorerst nicht frei.
Der Geiselnehmer von Gladbeck, Dieter Degowski, kommt vorerst nicht frei.

Ihr Mandant sei "froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat", ließ seine Anwältin verlauten. "Er war natürlich sehr angespannt und nervös. Schließlich ging es ja um sein Leben, um seine Zukunft", sagte Grüter. Weiterhin rechnet sie damit, dass ihr Mandat Lockerungen im Vollzug wie zum Beispiel Freigänge und Hafturlaub erfährt, um besser auf die Entlassung vorbereitet zu sein. Sollte dies nicht passieren, könnte es sein, dass die Strafvollstreckungskammer in einigen Jahren auch eine Entlassung ohne Vorbereitung beschließe, sagte sie.

"Die Gefährlichkeit scheint bei Herrn Degowski nicht das Problem zu sein", meinte ein Gerichtssprecher. Der Werler Gefängnisdirektor Michael Skiri hatte Degowski vor einem Jahr als "typischen Mitläufer" bezeichnet. Seine Bekanntheit könnte Degowskis Entlassung erschweren: "Wir hoffen, dass die Gesellschaft ihm die Chance gibt, irgendwann als resozialisierter Straftäter wieder in der Gesellschaft anzukommen, und dass er nicht immer 'der Geiselgangster von Gladbeck' bleibt", sagte seine Anwältin.

Damalige Opfer äußern Kritik

Die Anhörung fand kurz vor dem 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas statt, bei dem Degowski vom 16. bis 18. August 1988 zusammen mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner durch Deutschland und die Niederlande geflohen war. Sie erschossen auf ihrer Flucht zwei Geiseln, ein Polizist verunglückte tödlich. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Sie waren nach tagelanger Verfolgungsjagd am 18. August 1988 in einem heftigen Schusswechsel, die Polizei gab 62 Schüsse ab, festgenommen worden. Das Verbrechen wirkt auch wegen des umstrittenen Verhaltens von Medien bis heute nach.

Die Italienerin Tatiana de Giorgi, deren 15-jähriger Bruder Emanuele 1988 von Degowski erschossen wurde, kritisierte eine mögliche Freilassung und sagte dem 'Spiegel': "Ich bin mit einer Entlassung von Degowski auf keinen Fall einverstanden. Er hat meinen Bruder vor meinen Augen umgebracht, das ist doch wohl keine Kleinigkeit." Auch die 43-jährige Ines Falk, deren Freundin Silke Bischoff beim Zugriff der Polizei laut dem Untersuchungsbericht von Hans-Jürgen Rösner getötet wurde, sagte, sie habe immer noch Angst, "dass eines Tages einer der Gangster vor meiner Tür steht".

Der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD im Düsseldorfer Landtag, Friedhelm Farthmann, sieht den damaligen Polizeieinsatz kritisch. Es handle sich um "ein ganz schlimmes Staatsversagen von A bis Z", sagte Farthmann der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. "Wir sind mit der liberalen Innenpolitik im Fall Gladbeck voll vor die Wand gefahren."