Giuseppe Conte stellt sich quer: Italien nimmt keine geretteten Migranten mehr auf

Wohin die aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge jetzt gebracht werden sollen, ist noch völlig unklar.
Wohin die aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge jetzt gebracht werden sollen, ist noch völlig unklar.
© dpa, Jesus Merida, zeus pat

20. Juli 2018 - 10:17 Uhr

Auch von der Marine gerettete Flüchtlinge dürfen nicht mehr nach Italien

Bisher war es so: Wenn ein Schiff der EU-Marinemission "Sophia" in Seenot geratene Migranten aus dem Mittelmeer rettete, wurden diese automatisch nach Italien gebracht. Damit ist jetzt vermutlich Schluss, denn das Land will zukünftig die Aufnahme dieser Menschen verweigern. Bis jetzt wurden nur Schiffe von Nicht-Regierungsorganisationen an italienischen Häfen abgewiesen, wenn sie Flüchtlinge an Bord hatten. Jetzt will das Land anscheinend auch die von der Marine geretteten Migranten nicht mehr aufnehmen.

Giuseppe Conte will die EU-Mission "Sophia" revolutionieren

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte
Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte fordert eine Revision der EU-Marinemission "Sophia".
© deutsche presse agentur

Das teilte der italienische Außenminister Enzo Moavero Milanesi der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini vor drei Tagen mit, berichtete die "Welt" unter Berufung auf ein Schreiben, das der Zeitung vorliege. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte zuvor schon in einem Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk eine Revision der Mission "Sophia" gefordert, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Auch Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechten Lega, fordert, dass nicht mehr alle Schiffe von EU-Missionen wie "Themis" oder "Sophia", an der auch Deutschland beteiligt ist, automatisch in Italien einlaufen.

Wie es jetzt genau weitergehen soll, ist noch unklar und die Zeit drängt, denn jeden Tag machen sich neue Menschen auf den gefährlichen Weg nach Europa. Und immer wieder holen Marineschiffe der EU Menschen an Bord, um sie vor dem Ertrinken zu bewahren. Die zuständigen Botschafter berieten bereits im Politischen und Sicherheitspolitischen Kommitee, wie die geretteten Migranten in Zukunft verteilt werden sollen. Bisher haben sie aber keine Einigung gefunden.


Quelle: DPA, RTL.de