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Giglio gedenkt Opfer des Costa-Concordia-Unglücks

Giglio gedenkt Opfer des Costa-Concordia-Unglücks

"Gib den Opfern, die ihr Leben verloren haben, Frieden."

Um genau 21.45 Uhr läuteten auf der italienischen Insel Giglio die Kirchenglocken. Zu exakt dieser Uhrzeit hatte das Schiff vor einem Jahr einen Felsen vor der Küste der Insel gerammt. Es ist ein Jahr nach der Schreckensnacht der 'Costa Concordia'-Katastrophe. Angehörige der 32 Todesopfer und Bewohner der Insel beteten, auf dem Meer heulten Schiffssirenen. Die Menschen gedenken den Unglücksopfern und lassen Lampions in den Himmel steigen – nur wenige Meter vom Wrack des Schiffs entfernt.

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Die Menschen gedenken den Unglücksopfern der 'Costa Concordia'-Katastrophe.
dpa, Maurizio Brambatti

Die Gedenkfeiern hatten schon am frühen Sonntagmorgen mit einer bewegenden Zeremonie begonnen: Direkt an der Unglücksstelle wurde ein Felsen mit einer Gedenktafel ins Meer gelassen, auf der die Namen aller Opfer stehen. Danach beteten die Familien bei einem tränenreichen Gottesdienst für die Toten. "Gib den Opfern, die ihr Leben verloren haben, Frieden", hieß es in den Fürbitten.

Auch die heftigen Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino wurden wieder laut. Ihm wird vorgeworfen, am Abend des 13. Januar 2012 zu nah an die Küste herangefahren zu sein. Zudem hatte er sein Schiff mitten in der Evakuierung verlassen. Wann es zum spektakulären Prozess kommt, ist noch unklar. Sicher ist allerdings, dass Schettino im Zentrum des Mammutverfahren stehen dürfte. "Die Verantwortlichen werden streng bestraft werden", versprach der italienische Umweltminister, Corrado Clini, der zum Jahrestag nach Giglio gekommen war. "Dieses Unglück lehrt uns, dass Oberflächlichkeit und Inkompetenz manchmal unterschätzt werden - dabei sind das zwei sehr schlimme Risiken."

Schuldzuweisungen überschatten Trauerfeier

Während die Menschen auf Giglio trauerten, machte Kapitän Schettino in einem Fernsehinterview mit Schuldzuweisungen auf sich aufmerksam und beschuldigte den indonesischen Steuermann des Costa-Schiffs, Schuld am Unglück zu sein. "Wenn der Steuermann alles richtig verstanden hätte, wäre das Schiff (an der Insel) vorbeigefahren, ohne dass etwas passiert wäre", sagte Schettino nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Vor genau einem Jahr hatte die 'Costa Concordia' einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war gekentert. Dem "Capitano Dilettante" - dem dilettantischen Kapitän, wie italienische Medien Schettino nennen - wird vorgeworfen, aus Leichtsinn viel zu nah an der felsigen Küste der Insel vorbeigefahren zu sein.