Gigantischer Missbrauchsskandal erschüttert Großbritannien

21. Mai 2015 - 12:49 Uhr

Hunderte Prominente unter Verdacht

Ein gigantischer Missbrauchsskandal erschüttert Großbritannien. Scotland Yard ermittelt gegen mehr als 1.400 Verdächtige - unter ihnen hunderte Prominente aus Politik, Sport und Fernsehen. Die Ermittler hoffen, dass sich jetzt noch mehr Opfer von sexueller Gewalt gegen Kinder melden und befürchten tausende weitere Fälle.

Jimmy Savile
Ins Rollen gebracht wurde die Aktion durch ihn: Starmoderator Jimmy Savile.
© dpa, Lindsey Parnaby

"Die Opfer sollen noch mehr als früher den Mut haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir haben gelernt, mit solchen Aussagen anders umzugehen als früher", sagt Simon Bailey, Chefermittler der Polizei Norfolk.

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Ins Rollen gebracht wurde die Aktion durch Starmoderator Jimmy Savile. Der inzwischen verstorbene BBC-Mann soll sich in hunderten Fällen an Kinder vergriffen haben. Es folgten Prozesse gegen TV-Promis wie Rolf Harris und den Verleger Max Clifford. Und immer mehr Opfer meldeten sich. "Die 1.400 Verdächtigen sind nur die Spitze des Eisbergs. Wir arbeiten mit hunderten von Opfern, die jetzt erst den Mut finden auszusagen", erklärt Opfer-Anwalt Simon Wilmer.

Bis Ende des Jahres rechne die Polizei mit etwa 116.000 Anzeigen, so Bailey weiter. Genaue Opferzahlen nannte er nicht, sie gingen aber "in die Tausende". Fast täglich kämen neue Fälle hinzu, es handele sich bei den Zahlen um eine Augenblicksaufnahme: "Wir sehen einen nie dagewesenen Anstieg in der Zahl der Anzeigen."

Der Fall Savile habe Menschen den Mut gegeben, an die Öffentlichkeit zu gehen und auszusagen, sagte der BBC Anwältin Liz Dux von der Kanzlei 'Slater and Gordon', die etwa 800 Opfer vertritt. Das gelte auch für Fälle, in denen nicht Prominente, sondern etwa Familienangehörige die Täter seien.