Giftmord-Anschlag auf Agent Skripal und Tochter: Was weiß Moskau – und wie reagiert London?

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9. März 2018 - 14:16 Uhr

Englische Öffentlichkeit verlangt Antworten

Der Fall ist ebenso undurchsichtig wie spektakulär und er birgt jede Menge Zündstoff. Nach dem Attentat mit Nervengift auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter im englischen Salesbury halten sich hartnäckig die Spekulationen, die Tat sei aus Moskau organisiert. Allerdings gibt es derzeit keine Beweise, um einen Täter zu überführen.

"Versuchter Mord auf höchst grausame und öffentliche Art"

Britain's Home Secretary Amber Rudd visits the scene where Sergei Skripal and his daughter Yulia were found after having been poisoned by a nerve agent in Salisbury, Britain, March 9, 2018. REUTERS/Peter Nicholls
Die britische Innenministerin Innenministerin Amber Rudd informiert sich am Tatort.
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Die britische Regierung versucht ungeachtet des öffentlichen Drucks, die Ruhe zu bewahren. Die Öffentlichkeit verlange zu Recht, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May. Es handele sich um ein "widerwärtiges und skrupelloses Verbrechen". Gleichzeitig mahnte er, es sei wichtig, Spekulationen zu vermeiden, bis die Ermittler harte Fakten auf den Tisch legen könnten.

Innenministerin Amber Rudd versicherte, die Regierung werde «robust und angemessen» reagieren, sobald klar sei, wer hinter der Tat stecke. "Das war versuchter Mord auf eine höchst grausame und öffentliche Art", sagte Rudd. Doch auch sie warnte vor voreiligen Schlüssen.

Segeiy und Yulia Skripal ringen mit dem Tod

Zuvor hatte sie selbst den Spekulationen neue Nahrung gegeben, als sie in einem BBC-Radiointerview bestätigte, es handle sich bei dem verwendeten Nervengift um einen sehr seltenen Stoff. Britische Medien folgerten, das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, das Attentat sei von Moskau in Auftrag gegeben worden. Für die Herstellung komplexer Giftstoffe sei schließlich ein hohes Maß an Mitteln und Kenntnissen erforderlich.

Laut Polizei waren Skripal und seine Tochter Yulia Opfer eines gezielten Angriffs mit Nervengift geworden. Daher wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Über mutmaßliche Täter und wie das Gift verabreicht wurde, ist derzeit nichts bekannt. Sergej und Yulia Skripal kämpfen seit dem vergangenen Wochenende in einem Krankenhaus um ihr Leben.

Polizei bittet Militär um Hilfe

dpatopbilder - 08.03.2018, Großbritannien, Salisbury: Einsatzkräfte in Schutzanzügen ziehen sich zurück, nachdem sie über der Bank, auf der der frühere Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden wurden, ein
Die Untersuchungen dauern an.
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Unterdessen haben die Ermittler von Scotland Yard die Unterstützung des britischen Militärs angefordert. Die Soldaten sollen mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände aus dem Bereich im Stadtzentrum der englischen Kleinstadt Salisbury entfernen, wo Skripal und seine Tochter Yulia aufgefunden wurden.

Insgesamt sind nach dem Attentat 21 Menschen medizinisch behandelt worden. Dazu zählen der, der 66-jährige Skripal, seine 33-jährige Tochter Yulia und die Polizisten, die zu Hilfe geeilt waren.

Das Militär habe "die Expertise und Ausrüstung", um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen, hieß es in der Mitteilung. Von einer Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit werde aber weiterhin nicht ausgegangen.