Giftgas-Angriff in Syrien: UN-Inspekteure dürfen doch ermitteln

27. August 2013 - 11:19 Uhr

Ärzte ohne Grenzen: Hunderte Syrer durch Giftgas getötet

Nach dem schweren Giftgasangriff in Syrien am Mittwoch halten sich die USA weiter zurück. Das Weiße Haus wolle zunächst einmal weitere Fakten sammeln. Gemeinsam mit den internationalen Partnern werte man dutzende Augenzeugenberichte aus, um zu klären, was genau in Syrien vorgefallen ist, hieß es aus Washington.

Bürgerkrieg in Syrien
Syrische Soldaten östlich von Damaskus
© dpa, Str

Klar ist, die USA wollen nicht alleine in einen Krieg ziehen – zumal sie noch mit den Kosten der bisherigen Invasionen kämpfen. Vielmehr stehe Obama mit Großbritannien in Kontakt, um mögliche Optionen für die USA und die internationale Gemeinschaft zu besprechen, "um auf den Einsatz von chemischen Waffen zu antworten".

Währenddessen bestätigt die Organisation Ärzte ohne Grenzen den Einsatz von Giftgas. In drei von der Hilfsorganisation unterstützten Krankenhäusern im Großraum Damaskus seien am Mittwochmorgen in weniger als drei Stunden 3.600 Menschen mit "neurotoxischen Symptomen" aufgenommen worden. Sie hätten unter Krämpfen, starkem Speichelfluss und Atemnot gelitten. Ihre Pupillen seien stark verengt und der Blick verschwommen gewesen. Alles deute darauf hin, dass sie einem Nervengift ausgesetzt gewesen seien. 355 von ihnen sind nach Angaben der Krankenhausmitarbeiter gestorben.

Syrien erlaubt UN Zugang zu bombardierten Dörfern

Nun will die syrische Regierung UN-Chemiewaffeninspekteuren offenbar Zugang zu den Dörfern gewähren, die mit Giftgas bombardiert worden sein sollen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unter Berufung auf das Außenministerium, man habe eine entsprechende Einigung mit den Vereinten Nationen erzielt. Schon am Montag soll die Untersuchung in dem Bezirk östlich von Damaskus beginnen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat das Versprechen der syrischen Regierung begrüßt, UN-Inspekteuren nun doch Zugang zu gewähren. Dies sei eine wichtige Vereinbarung in einer dramatischen Lage. "Ich begrüße, dass die Untersuchung jetzt unverzüglich erfolgen soll", sagte Westerwelle.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hatte den Einsatz von Giftgas am vergangenen Mittwoch zunächst bestritten. Revolutionäre hatten Videoaufnahmen verbreitet, die Opfer von Giftgasattacken in mehreren Dörfern zeigen sollen. Am Samstag hieß es dann seitens des Regimes, die Rebellen hätten offensichtlich im Nordosten der Hauptstadt Giftgas eingesetzt.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte dagegen während eines Aufenthaltes in der palästinensischen Stadt Ramallah: "Alle Informationen, die uns momentan zur Verfügung stehen, deuten darauf hin, dass in Syrien unweit von Damaskus ein Massaker mit chemischen Waffen stattgefunden hat und dass das Regime von Baschar al-Assad dahinter steckt."

Während in Washington weiter Fakten gesammelt werden, bereitet sich die US-Marine offenbar auf einen Eingriff vor. Dazu wurde die Liste von Zielen für mögliche Luftangriffe aktualisiert. Zudem wurde die Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt, berichtete der Nachrichtensender CNN. Der Zerstörer 'USS Mahan' sei zu den drei dort kreuzenden Schiffen gestoßen. Alle vier Kriegsschiffe sind mit Marschflugkörpern bewaffnet.