Giftanschlag auf Sergej Skripal: Theresa May macht Russland verantwortlich

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12. März 2018 - 19:12 Uhr

Klare Worte von Theresa May

Der Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal zieht immer weitere Kreise. Jetzt hat sich auch die britische Premierministerin Theresa May zu dem Fall geäußert. Sie macht Russland für das Attentat mit Nervengift verantwortlich. Nur Stunden, bevor sie ihr Statement zu dem Fall abgeben wollte, tauchte auch ein verdächtiges Päckchen in einem Londoner Parlamentsgebäude auf.

Nervengift soll Russlands Beteiligung beweisen

Premierministerin Theresa May berief eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. In dem Statement erklärte sie, dass Russland "höchstwahrscheinlich" für das Attentat auf Sergej Skripal verantwortlich sei. Das habe eine Analyse des bei dem Attentat eingesetzten Nervengases ergeben, sagte May. Sie forderte Russland auf, umgehend bei der Aufklärung der Tat zu helfen.

Nach dem Attentat wurden auch erste Konsequenzen gezogen. Der russische Botschafter in London wurde ins Außenministerium einbestellt. May hatte vorher auch schon gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM im Sommer zu schicken. Tom Tugendhat, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Unterhauses, warnte in einem BBC-Interview: Britische Fußballfans könnten in Russland in Gefahr geraten, falls die Spannungen zwischen den beiden Ländern zunehmen sollten.

Russland weist jede Schuld von sich

Ermittlungen in Salisbury
In der südenglischen Kleinstadt Salisbury wurde der Ex-Spion Sergej Skripal vergiftet.
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Der Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Yulia wurden am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury gefunden. Die beiden kamen mit einem gefährlichen Nervengift in Berührung und befinden sich seitdem in einem kritischen Zustand. Nach dem Vorfall mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter auch ein Polizist.

Nach dem Giftanschlag verschärfte sich der Ton zwischen Moskau und London. Russland weist jede Schuld von sich. "Wenn man genau nachdenkt, dann gibt es nur eine Seite, der die Vergiftung gelegen kommt - das sind die Briten", sagte der kremlfreundliche Journalist Dmitri Kisseljow. Er wittert eine Verschwörung. Als Quelle sei Skripal abgeschöpft gewesen. "Aber als Giftopfer ist er sehr nützlich." Man könne mit seinem Fall in Großbritannien Russenfeindlichkeit schüren und zum Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft aufrufen. "Klären Sie die Angelegenheit erst einmal bei sich, dann werden wir das mit Ihnen besprechen", erklärte der russische Präsident Wladimir Putin.

Aufregung um verdächtiges Päckchen

Gegen Mittag ging dann noch ein Notruf bei der Polizei ein. In den 'Norman Shaw Buildings', wo Büros von Parlamentsmitarbeitern untergebracht sind – unter anderem auch das von Oppositionsführer Jeremy Corbyn – wurde ein verdächtiges Päckchen gefunden. Ein Mann und eine Frau, die damit in Berührung kamen, wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, berichteten britische Medien. In dem Paket soll sich ein weißes Pulver befunden haben.

Inzwischen gab die Polizei Entwarnung. Die Substanz in dem Päckchen ist anscheinend nicht gefährlich. Das House of Commons, wo die Abgeordneten sitzen, musste nicht evakuiert werden, sodass alle Sitzungen wie geplant stattfinden konnten. Hinweise darauf, dass es eine Verbindung zwischen dem verdächtigen Paket und den Fall Skripal geben könnte, haben die Ermittler bisher nicht gefunden.