Gift-Opfer Julia Skripal spricht erstmals nach dem Anschlag: "Eines Tages zurück nach Russland"

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24. Mai 2018 - 9:50 Uhr

"Wir sind so glücklich, dass wir (…) überlebt haben"

Drei Monate ist es her, dass Julia Skripal unfreiwillige Berühmtheit erlangte: Die Frau wurde Opfer eines heimtückischen Giftanschlages, der vermutlich ihrem Vater Sergej, einem ehemaligen russischen Doppelagenten, galt. Beide überlebten das Attentat. Nun spricht die 33-Jährige erstmals öffentlich über den Mordversuch. In einer per Video verbreiteten Stellungnahme sagte sie, dass sie "irgendwann" in ihre Heimat Russland zurückkehren möchte. Zudem dankte sie der russischen Botschaft "für die Hilfe, die mir angeboten wurde. Zurzeit bin ich aber nicht bereit und willens, das in Anspruch zu nehmen."

Julia Skripal weiter an unbekanntem Ort untergebracht

The forensic tent, covering the bench where Sergei Skripal and his daughter Yulia were found, is repositioned by officials in protective suits in the centre of Salisbury, Britain, March 8, 2018. REUTERS/Peter Nicholls
Der Giftanschlag auf die Skripals erregte weltweit Aufmerksamkeit.
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Weiter hieß es: "Wir sind so glücklich, dass wir beide diesen versuchten Anschlag überlebt haben." Nach vielen Tagen im Koma habe ein langsamer und extrem schmerzhafter Genesungsprozess eingesetzt.

Die Stellungnahme ist auf Russisch gehalten und wurde von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Den Kontakt zu Julia Skripal an einem geheimen Ort hatte laut Reuters die britische Polizei vermittelt.

Die russische Botschaft in London bezweifelte, dass Julia Skripal die Videobotschaft freiwillig aufgezeichnet habe. Man fordere, mit ihr direkt zu sprechen, "um sicherzustellen, dass sie nicht gegen ihren Willen festgehalten wird und die Aussagen nicht unter Druck entstanden" seien, hieß es. "Bislang haben wir allen Grund dazu, das Gegenteil zu vermuten", teilte die Botschaft auf ihrer Website mit. Man sei froh, zu sehen, dass es ihr gut gehe.

Experten: Skripal und Tochter wurden mit Nowitschok vergiftet

Julia und Sergej Skripal.
Julia Skripal mit ihrem Vater Sergej.

Julia und Sergej Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Sie wurden Untersuchungen zufolge mit dem Nervengift Nowitschok in flüssiger Form vergiftet.

Julia Skripal wurde im April aus dem Krankenhaus entlassen. Ihr Vater beendete Mitte Mai seinen Klinikaufenthalt. Auch sein Aufenthaltsort ist unbekannt.

Nowitschok war einst in der Sowjetunion produziert worden. Der Stoff war aber auch im Westen bekannt. London bezichtigt Moskau, hinter der Tat zu stecken. Der Kreml weist das zurück. Das Attentat löste eine schwere diplomatische Krise aus. Die britische Polizei sucht mit Hochdruck nach den mutmaßlichen Attentätern.

Skripal spionierte für Russen und Engländer

Dieses Archivbild zeigt einen sowjetischen Soldaten, der Munition präsentiert, in dem sich chemische Giftstoffe befinden, während Diplomaten und Journalisten aus dem Westen eine Anlage in Schichany besuchen.
Sowjetischer Soldat in Schichany präsentiert Munition, in dem sich chemische Giftstoffe befinden, während Diplomaten und Journalisten aus dem Westen eine Anlage besuchen (Archivfoto, 1987).
© dpa, John Thor Dahlburg, AZ wal

Mit dem Fall beschäftigte sich auch die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Sie ließ Blutproben der Opfer und das verwendete Gift in unabhängigen Labors analysieren und bestätigte in einem Report die Ergebnisse britischer Experten. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer für den Anschlag verantwortlich ist.

Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.