Stahl und Beton statt historischem Flair

200.000 Euro für Sanierung einer Brücke, die keiner braucht

07. Februar 2020 - 17:30 Uhr

300 Jahre alte Napoleonbrücke liegt mitten im Wald

Die Napoleonsbrücke liegt mitten in einem Wald in Gifhorn. Sie führt über einen kleinen Bachlauf, der die meiste Zeit ausgetrocknet ist. Ein Weg führt drumherum - eigentlich braucht sie kein Mensch. Das hielt die Stadt Gifhorn aber nicht davon ab, sie für 200.000 Euro zu sanieren. Jetzt ist das Unverständnis groß.

Ein Weg führt direkt an der Brücke vorbei

Vor gut 300 Jahren war die Napoleonsbrücke die einzige Verbindung zwischen Gifhorn und Braunschweig. Sogar der berühmte Feldherr Napoleon soll sie benutzt haben. Ein bedeutendes Bauwerk, damals zumindest. Heute sieht das ganze etwas anders aus. Von ihrem historischen Flair ist nichts mehr übrig. Die Gifhorner sind sauer. Denn die Kosten für die Sanierung hätten ihrer Meinung nach in wichtigere Projekte investiert werden können: "Meine Auffassung ist die, dass der Staat von uns Bürger Steuergelder einnimmt und da hat der Bürger auch das Recht, dass mit Steuergeldern ordentlich umgegangen wird", sagt der Gifhorner Gordon Neubauer.
Über die Brücke, die nun aufwendig instand gesetzt wurde, geht nämlich eigentlich niemand mehr.

Die Stadt ist verpflichtet, die Brücke zu erhalten

Bruecke, die keiner braucht
Fußgänger und Radfahrer können die Brücke nutzen.
© RTL

Warum also der teure Aufwand? Die historische Brücke steht unter Denkmalschutz. Die Stadt Gifhorn ist deshalb gesetzlich verpflichtet, die Brücke zu erhalten: "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei" sagt Joachim Keuch von der Stadt Gifhorn. Keuch schätzt, dass die Sanierung durch den Denkmalschutz allerdings ungefähr doppelt so viel gekostet habe, wie die Sanierung einer Brücke ohne Denkmalschutz. "Wir sind vom Gesetzgeber gezwungen, solche Dinge zu erhalten und an dieser Stelle ist es auch erhaltenswert" findet Joachim Keuch.

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Fall für Bund der Steuerzahler

Der Bund der Steuerzahler ist überzeugt, dass es trotz Denkmalschutz eine günstigere Alternative gegeben hätte. "Der Denkmalschutz ist da, den muss man gewährleisten. Aber das hätte man auch anders realisieren können, vor allem günstiger" sagte Jan Vermöhlen. Seiner Meinung hätte es auch gereicht, die Brücke instand zu halten, aber nicht begehbar zu machen. "Dass diese Brücke verkehrstechnisch keinen Zweck erfüllt, sieht man schon daran, dass sie praktisch im Nichts steht. Der Weg endet auf der einen Seite sogar in einer Sackgasse", so Vermöhlen.

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