Gibt es in diesem Jahr weniger als 200.000 Migranten?

Deutschland hat 2017 deutlich weniger Migranten aufgenommen als in den Jahren zuvor.
Deutschland hat 2017 deutlich weniger Migranten aufgenommen als in den Jahren zuvor.
© dpa, Sebastian Willnow, seb axs tba dna cul fux jol

17. Dezember 2017 - 12:38 Uhr

Bundesregierung veröffentlicht aktuelle Zahlen zur Migration

Laut einer aktuellen Rechnung der Bundesregierung dürfte die Zahl der neu nach Deutschland gekommenen Migranten in diesem Jahr 200.000 nicht überschreiten. Im Jahr 2015 sind noch 890.000 Menschen nach Deutschland gekommen. Als Grund für den Rückgang werden die Schließung der Balkan-Route und das EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei genannt.

Union fordert "Entscheidungs- und Rückführzentren"

Im vergangenen Jahr sind insgesamt rund 280.000 Migranten nach Deutschland gekommen, doch auch diese Zahl dürfte laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière in diesem Jahr unterboten werden. "Ende November waren wir knapp bei 173 000. Ich rechne für das ganze Jahr mit einer Zahl von unter 200 000 Migranten", sagte er der 'Bild am Sonntag'. Die aktuellen Zahlen würden sich damit knapp unter der von der CSU über Monate geforderten "Obergrenze" für Zuwanderer bewegen.

Die Union will Asylsuchende außerdem häufiger in "Entscheidungs- und Rückführzentren" unterbringen. "Bis zur Entscheidung über den Asylantrag müssen sich die Menschen dann dort aufhalten. Nur die positiv beschiedenen Fälle werden dann auf die Kommunen verteilt", erklärte de Maizière. Gleichzeitig wies der Minister Kritik an der neu eingeführten Prämie für abgelehnte Asylbewerber zur freiwilligen Ausreise zurück. "Im Vergleich zu den Sozialhilfekosten, die uns in Deutschland bei längerem Aufenthalt entstehen, ist die Summe für diese Maßnahme erheblich niedriger", verteidigte er die Maßnahme.

Nach zehn Tagen liegen für die Rückführprämie bundesweit 200 Anträge von Menschen aus Russland, dem Irak und Afghanistan vor. Menschen aus den Westbalkan-Staaten haben zurzeit kaum noch Chancen auf Asyl in Deutschland. Da die Region als sicher gilt, gibt es dorthin die meisten Abschiebungen. So kommen zum Beispiel in Bremen und Niedersachsen die meisten Abgeschobenen und freiwilligen Heimkehrer aus den Westbalkan-Staaten. Insgesamt ist die Zahl der Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen allerdings in beiden Bundesländern rückläufig.