Neue EU-Verordnung beunruhigt Tattoo-Szene

Gibt es schon bald keine bunten Tattoos mehr?

29. September 2021 - 10:21 Uhr

Kaum noch legale Tattoo-Farben ab dem Jahreswechsel 2022?

Gibt es bald fast keine bunten Tattoos mehr? Das ist zumindest gerade eine große Befürchtung in der Tattoo-Szene, denn ab sofort stehen auf fast allen Farb-Packungen für Tätowierungen, dass die Farben nur noch in diesem Jahr benutzt werden dürfen. Der Grund: die EU-Chemikalienverordnung REACH. Denn die besagt, dass zwei wichtige Farbpigmente ab Januar verboten werden sollen, weil sie im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Welche verheerenden Auswirkungen es auf die Tattoobranche haben würde, wenn diese Inhaltsstoffe verboten würden, erklärt Urban Slamal, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Tattoo, im Video.

Chef des Bundesverbandes Tattoo kritisiert fehlende wissenschaftliche Grundlage

Die beiden betroffenen Pigmente "Blau 15" und "Grün 7" seien bereits für die Verwendung in Haarfärbemitteln verboten, heißt es in einem Statement des Bundesinstituts für Risikobewertung (BFR) auf dpa-Nachfrage. Weil Tattoo-Farben von der EU als Kosmetikprodukte gewertet werden, könnte das Verbot nun auch Tattoofärbemittel betreffen.

Für eine tatsächliche Risikobewertung der Pigmente in Tattoofarben mangele es bislang jedoch noch an aussagekräftigen Studiendaten, sagt Urban Slamal im Gespräch mit RTL. "Man hat sich einfach überlegt, dass das, was auf die Haut nicht draufgehört, also als Inhaltsstoff für Kosmetika verboten ist, auch in der Haut nichts zu suchen hat. Das ist allerdings alles andere als zwingend", kritisiert der Tattoo-Experte.

Sollte das Verbot tatsächlich durchgesetzt werden, sieht es schon in wenigen Monaten schlecht aus für Tätowierer und Fans bunter Tattoos: "Im Augenblick ist es tatsächlich so, dass praktisch keine einzige auf dem Markt befindliche Tattoo-Farbe - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - diese Kriterien erfüllen würde", erklärt Urban Slamal. "Das heißt, es gibt im Grunde ab dem Jahreswechsel 2022 für die deutschen und die europäischen Tattoostudios so gut wie keine legalen Farben mehr." (dhe, dpa)

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